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Sonntag, 29 Juli 2012 07:25

"Elbe 3" ältestes fahrbareres Feuerschiff der Welt

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Dem Maschinisten von Eitzen funkeln die Augen. Er zeigt mir mit Begeisterung die 1936 eingebaute MWM-6-Zylinder Dieselmaschine: „Mit 200 Umdrehungen pro Minute (max. 300 möglich) ist der Langsamläufer so leise, dass man ihn in die Stube stellen könnte. Die 300 PS starke Leistung gelangt ohne Getriebe direkt via einem Schwungrad auf die Welle. Und das auf einem Schiff, das im nächsten Jahr den 125. Geburtstag feiern kann!“ Diese Rarität heisst „Elbe 3“ und ist ein fahrendes Denkmal, das die über zwei Jahrhundert dauernde Geschichte bemannter Feuerschiffe an der Nordseeküste erzählen könnte.

Feuerschiffe waren schwimmende Leuchttürme, die den Seeschiffen den sicheren Weg in die Flussmündungen zeigten. Ursprünglich hiess unser Schiff „Weser“, war entsprechend an der Wesermündung eingesetzt, eines der ersten genieteten Eisenrumpfschiffe Deutschlands und als Dreimaster getakelt. Nachts zeigten an den drei Masten je ein Petroleum-Leuchtfeuer die Position, am Tag hing an jedem Masten ein grosser roter Korbball. Seit 1936 ist das Schiff motorisiert, 1966 gelangt es auf die Position Elbe 3, womit es automatisch den Namen wechselte. 88 Jahre, so lange wie kein anderes Feuerschiff, versah es seinen Dienst, überstand Weltkriege und überlebte Orkane. Zwei Jahre nach der Ausserdienststellung gelangte es 1979 in den Besitz des Museumshafens Övelgönne.

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In diesem Hafen an der Elbe etwas unterhalb von Hamburg liegen rund ein Dutzend Schiffe, so erkenne ich bei meinem Besuch die Dampfschiffe Woltman, Tiger, Claus D. und Otto Lauffer. Den Museumshafen erreicht man am besten mit der Hadag-Schiffslinie 62, die im 15-Minuten-Takt ab Hamburg Landungsbrücke die elbeabwärts liegenden Weiler verbindet. Für jedes Schiff des Museumshafens ist ein sog. Obmann zuständig, eine Art Abteilungsleiter, der für den gesamten Betrieb verantwortlich zeichnet: Planung und Führung des Personaleinsatzes, Unterhalt des Schiffes und Organisation der Fahrten. Für die „Elbe 3“ ist das Gerhard Peters, der uns Fahrgäste auf der vierstündigen Hafenrundfahrt am 12. Juli 2012 willkommen heisst. Ein kalter Nordwind bläst uns um die Ohren, aber die Sonne zeigt sich wenigstens für ein paar Minuten. Die Fahrgäste sind überall auf dem Schiff willkommen, so auch auf der Brücke wie im Maschinenraum. Heisser Kaffee und Tee sind im Preis inbegriffen, für die Bockswurst zahlt man einen „moderaten Preis“, wie sich der Handzettel korrekt ausdrückt. Die „Elbe 3“ fährt in diesem Jahr noch zwei Mal aus: am 16. September um 13.00 Uhr und am 6. Oktober um 14.00 Uhr ab Övelgönne. Kurzfristig gibt es manchmal auch andere Fahrten, die über Hamburg hinaus gehen, ein Blick auf die Homepage lohnt sich für schiffsbegeisterte Hamburg-Besuchende (www.museumshafen-oevelgoenne.de Stichwort „Mitfahren“). Gerhard Peters: „Die Fahrten durch den Nordostsee-Kanal zum Beispiel gehen jeweils weg wie frisches Brot“.

Für öffentliche Rundfahrten gibt es rund 10 Mal im Jahr Gelegenheit, das 1888 erbaute Museumsschiff fahrend zu erleben; Elbe 3-Obmann Gerhard Peters kommentiert jeweils die Fahrten; Sicht vom Vordeck aufs Schiff, links eine der vielen Elbe-Fährschiffe; ein besonderes Schmuckstück alter Schiffsdiesel, das bald 80 Jahre seinen Dienst tut. Text und Bilder H. Amstad

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