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Nach 27 Jahren Aufenthalt in Basel kenne ich das bekannte Volkslied „Z’Basel am mim Rhy“ nur allzu gut. Und ich gebe zu: Bis heute war ich wohl auf keinem Gewässer seltener unterwegs als auf dieser Rheinstrecke, befahren von der Basler Personenschifffahrt (BPG). Viele Turbulenzen und stürmische Zeiten prägen die vergangenen Jahre nach der Epoche Hans Ritter. Es scheint nun, dass wieder bessere Zeiten auf uns zukommen. Zwar ist das Angebot heute klein, die drei Schiffe Baslerdybli (mit dem Salon des Raddampfers Pilatus vom Vierwaldstättersee), die innen wie aussen sehr schöne „Lällekönig“ und das grösste und optisch gewöhnungsbedürftige Schiff Christoph Merian bieten aber eine reizvolle Auswahl an Fahrten von April bis Oktober. Zu Gast bin ich auf der Hafenrundfahrt, welche bei meinem Besuch von der 50 Meter langen, 1980 erbauten „Lällekönig“ ausgeführt wird. Die „Lällekönig“ („Lälle“ ist das Basler Wort für Zunge) ist eine Kunstfigur über dessen Bedeutung es verschiedene Ansichten gibt. Eine davon besagt, dass die Figur den Kleinbaslern vom Grossbasel her die Zunge herausstreckt. Der zweite Kurs, welcher nur an Werktagen (ohne Montage) während den Basler Schulferien ausgeführt wird, ist bei herrlichem Sonnenschein mässig gut besucht. Der Ein- und Ausstieg befindet sich jeweils bei der versteckten und wenig einladenden „Schifflände“ an der Mittleren Rheinbrücke. An Bord werden wir zweisprachig über alles Wissenswerte rund um den Rhein und damit Basel informiert. Vor der Schleuse Birsfelden wendet das Schiff und wir begegnen der neusten und grössten Einheit, der „Christoph Merian“. Sehr gut besucht führt dieses Schiff heute die Kursfahrt von Rheinfelden nach Basel aus. Bei uns an Bord fällt mir auf, dass unser Kapitän im Basler Rheinhafen eine tolle Schlaufe ins Hafenbecken fährt. Imposant! Ich geniesse die Fahrt, speziell das hübsche Schiff hat es mir angetan. Über die sehr teuren Getränkepreise staune ich allerdings (Kaffee Fr. 4.80, 3 dl Getränke Fr. 5.40). Das Angebot an kulinarischen Fahrten auf dem Rhein ist gross: Es reicht von der Brunchfahrt über Mittagsfahrten bis zu verschiedenen kulinarischen Abendfahrten, dies auch im Winter. Da Schiffsfreunde auch für andere schöne und ältere Dinge zu begeistern sind, möchte ich meinen Tipp nicht aufs Wasser beschränken: Starten Sie die Flussreise in Rheinfelden flussabwärts der Sonne entgegen. Die Abfahrt erfolgt um 14.10, täglich ausser montags bis zum 14. Oktober 2012. Das Schiff fährt durch eine ländliche Gegend, welche immer mehr Stadtcharakter erhält. Während der Fahrt werden die Schleusen von Augst und Birsfelden passiert. In Basel angelangt fährt man mit einer TNW-Tageskarte problemlos wieder zum Ausgangspunkt zurück. Und hier empfehle ich an der Tramstation Schifflände auf die Linie 16 der Basler Verkehrs Betriebe (BVB) einzusteigen (hier Wendepunkt). Haben Sie Geduld und warten Sie auf einen alten Vierachser. Momentan verkehren noch über zehn dieser Tramzüge aus den sechziger Jahren kursmässig auf den Schienen Basels, die Wagen sind kaum umgebaut und beim Blick in den Führerstand wähnt man sich in einem Nostalgiefahrzeug. Bleiben Sie einfach sitzen: Das Tram fährt bis zum Bruderholz über eine reizvolle Strecke und wird dann zur nicht weniger attraktiven Linie 15. Mit dieser kann man zum Aeschenplatz fahren und in 5 Minuten zum Bahnhof Basel SBB spazieren. Für ganz „Verrückte“ lohnt sich ein Umsteigen am Aeschenplatz auf die Tramlinie 10. Diese Überlandtramlinie fährt gar durch Frankreich und ist die längste Tramlinie Europas (26 km). Zurück zum Wasser: Nicht wegzudenken aus dem Basler Stadtbild sind die verschiedenen Fähren, welche Gross- und Kleinbasel miteinander verbinden. Ganz aktuell baut der bekannte Schiffbauarchitekt Jonas Panacek aus Zürich (!) die neue „Vogel-Gryff“-Fähre. Sie wird am 25. August den Betrieb aufnehmen. Am 7. August wurde die Fähre zum ersten Mal gewassert. MS Lällekönig legt an der Basler Schifflände an; MS Christoph Merian verlässt die Schleuse von Birsfelden, um an der gleichnamigen Station gegen den Strom anzulegen – ihre Silhouette passt sich dabei schön an das urbane Basel an; die dritte Einheit MS Baslerdybli ist nicht nur im Nostalgielook gehalten, es hat einige authentische Raritäten im Innenleben aufzuweisen; Blick am Dreiändereck auf die „Basler Dybli“. Weitere Bilder von der Hafenrundfahrt auf www.facebook.com/schiffsagentur. Text und Bilder St. Hellstern.
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Freitag, 10 August 2012 17:36











