|
|
Traumfrequenzen landauf landab. Ende Juli ging’s so richtig los, mit dem schönen Wetter im August stürmten die Leute richtiggehend die Schiffe und nun steuern wir anfangs September dem Höhepunkt entgegen! Die UBS macht’s möglich. Die Schweizer Grossbank feiert ihr 150-Jahrjubiläum mit einer Imagewerbung, die ihr Millionen kostet. Anfangs Saison verteilte sie Gutscheine, mit denen Fahrgäste für fünf Franken einen ganzen Tag Schiff fahren können. Auf den ersten Augenblick eine geniale Sache, sozusagen eine Win-Win-Situation: Die Bank benötigt eine Imageverbesserung und verbindet Werte wie Erlebnis, Natur und Erholung mit der Schifffahrt. Und den Schifffahrtsunternehmen kann nichts Besseres geschehen als volle Schiffe und eine in diesem Umfang unbezahlbare Werbung. Doch, so fragt sich vor allem die Stammkundschaft der Schweizer Schifffahrt, erreicht die Aktion wirklich das Ziel in Anbetracht der Tatsache, dass vor allem auf Dampfer- und Hauptkursen keine Sitzplätze mehr vorhanden sind und Leute am Ufer stehen gelassen werden? Ist die UBS-Aktion unter dem Strich Fluch oder Segen? Die Schifffahrtsgesellschaften haben reagiert und stellen Zusatzschiffe zur Verfügung. So heute am 9. September auf dem Vierwaldstättersee, wo folgende Supplementschiffe eingesetzt worden sind: Die „Gallia“ verstärkt den Dampferkurs 13 bis Beckenried, die „Rigi“ den Kurs 18 ab Weggis, die „Gotthard“ den Kurs 24 ab Treib, die „Uri“ den Kurs 26 ab Gersau, die „Europa“ den Gallia-Kurs 30 ab Beckenried, die „Titlis“ den Kurs 64 ab Alpnachstad. Am Abend zählt der Einsatzleiter Daniel Furrer 34 430 Passagiere: „Ein Rekord, welcher wir das letzte Mal vor 11 Jahren am 1. August 2001 mit 35 362 Personen übertrafen!“ Es sei deshalb die Frage erlaubt, ob es sachdienlich ist, angesichts dieser Frequenzen die „Gallia“ morgen schon in den Winterschlaf zu schicken oder anstelle der grossen „Schwyz“ kleinere Schiffe in der Fahrordnung einzusetzen. Entlastungsfahrten in dieser Grössenordnung wie sie heute nötig waren benötigen einiges an organisatorischem Geschick im Einsatz der Schiffe, wie auch eine sehr grosse Flexibilität des Personals an der Front. Im Herbst kündigt der öffentliche Verkehr Schweiz noch eine weitere Aktion eines sehr preiswerten GA's an. Hoffen wir, dass es dennoch ein paar Schiffskurse gibt, wo die Erholung nicht zu kurz kommt. Gerne freuen wir uns auf Ihre (Geheim-) Tipps für eine ruhige Schifffahrt im Blog-Kommentar! Offizielle Zahlen gibt es nicht, aber die Vermutung eines Insiders scheint mir plausibel: Danach soll die UBS gegen eine Million Gutscheine verteilt haben. Nicht alle werden eingelöst, gegen Saisonende werden die Leute sich aber erinnern, dass solche bald ablaufen... Der Ansturm wird so schnell nicht nachlassen. Wie erwähnt bezahlt der Fahrgast fünf Franken in der 2. Klasse und 15 in der 1. Klasse, die UBS vergütet den Gesellschaften scheinbar zwischen zehn und zwanzig Franken je nach Anzahl eingelöster Gutscheine. Bis Ende August sind in Luzern knapp 65 000 Gutscheine eingelöst worden und es ist anzunehmen, dass dies in etwa auch für den Lac Léman zutrifft. Stefan Schulthess, Direktor der SGV, sieht es als grossen Erfolg: „Die UBS-Kunden zahlen zusammen mit der UBS rund zwei bis drei Mal so viel wie ein GA-Kunde. UBS-Fahrgäste sind somit zahlende Kunden wie alle anderen Passagiere auch. Über das ganze Jahr betrachtet rechnen wir mit einem Frequenzanteil von 5 bis 10% UBS-Kunden bei der SGV“. Profitieren werden ausserdem die Restaurateure (die den volle Preis verlangen), die Bank (die ihr ramponiertes Image nachhaltig und sympathisch aufbessern kann) und das Produkt Schiff, weil selten je zuvor eine solche Aktion dank der von der UBS finanzierten und produzierten Werbung so viel Aufsehen erregt hat wie diese in aller Leute Munde stehende. Letztmals war dies 1988 mit der Merkur-Aktion der Fall, als beim Kauf eines Paketes Kaffee eine Freikarte mit dabei war... Landesweit war die Schifffahrt in allen UBS-Filialen präsent, mit grossen Plakaten, Bildern und Utensilien, wie im Schaufenster in Schaffhausen oder im Eingang in Zug. Im Bild die „Rhône“, die Genf am 8.8.12 mit Stehplätzen in der 1. Klasse verlässt, zuweilen am 9.9.12 fast alle Hauptkurse in Luzern doppelt geführt werden, im Bild MS Gotthard und DS Stadt Luzern beim Verkehrshaus. (Text und Bilder H. Amstad)
|
Sonntag, 09 September 2012 18:52











