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Sonntag, 16 September 2012 16:14

Reisebericht: von der Bodensee-Solarfähre bis zum Dampfboot

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Am gestrigen Samstag erlebten 16 Teilnehmende an der Bodensee-Exkursion der Schiffs-Agentur einen abwechslungsreichen Tag. Mit Start im Seemuseum Kreuzlingen wusste der sachverständige Referent Ulrich Seitz, Architekt und Dampfschiffkapitän aus Sipplingen, allerlei Wissenswertes zu erzählen. Er setzte sich intensiv mit dem Dampfschiff Jura und dessen Untergang auseinander und gestaltete zusammen mit Michael Berg die sehenswerte Sonderausstellung.

Wussten Sie, dass der Raddampfer Stadt Zürich gleich zwei Mal je ein anderes Dampfschiff auf dem Bodensee versenkte - 1861 die „Ludwig“ und 1864 die „Jura“? Dabei erhielt er den Beinamen „Teufelsschiff“ und brachte den Volkswitz hervor, mehr deutsche Schiffe versenkt zu haben als die dänische Flotte im zur gleichen Zeit stattgefundenen deutsch-dänischen Krieg. Seitz: „Die ‚Jura’ kam von der Société des Bateaux à vapeur du lac de Neuchâtel zur SGV in Luzern (wo die Schiffsteile gar nicht ausgepackt wurden), dann zur Lindauer Dampfschifffahrts-Inspektion - notabene als Ersatz für das nach der Kollision gesunkene Dampfschiff Ludwig“. Die grössten ausgestellten Originalteile Abdampfrohr und Bilgenwasser-Lenzpumpe zeigen die Grössenverhältnisse, attraktiv sind auch der ganze Schiffsname und viele andere Gegenstände, die Tauchergruppen dem Museum zur Verfügung stellten. Derek Richter, ein Reiseteilnehmer, reckte vor 30 Jahren in einem Tauchgang seinen Kopf in den Kamin der vor Münsterlingen in 40 m Tiefe liegenden „Jura“: „Unter der Führung der Taucherikone Hans Gerber war das ein faszinierendes Erlebnis.“

Der Transfer vom Museum zur Imperia (dem Hafenwahrzeichen von Konstanz) mit der Solarfähre bezeichnet die Teilnehmerin Regula Künzler als zusätzliches „Gudi“ der Reise. Das neuste BSB-Schiff Überlingen fährt uns dann über Meersburg, Insel Mainau und der Pfahlbauersiedlung in Unteruhldingen zum einzigen übriggebliebenen Holz-Dampfersteg des Bodensees in Dingelsdorf. Einziger Wermutstropfen der Reise ist dabei die völlig überforderte Bordgastronomie. In Dingelsdorf ausgestiegen empfängt uns der bekannte Schiffsbuch-Autor Karl F. Fritz mit Schiffsglocke, Nebelhorn und einer kleinen Führung durch das Stationsgebäude, das er in ein Kleinstschifffahrtsmuseum verwandelt hat.

Mit einem dumpfen und langen Dampfhorn begrüsst uns die „Gustav Prym“ für eine zweistündige Sonderfahrt. Der Steuermann Maximilian Sailer, ein Neffe des Maschinisten und Eigners des 1916 (Schale) erbauten Schiffes, Karl Sailer, fährt mit uns unter anderem zur senkrecht abfallenden Echowand, wo die zwei Dampfpfeifen herrlich zur Geltung kommen. Die „Gustav Prym“ war bis 1963 im Lokalverkehr der Konstanzer Verkehrsbetriebe unterwegs. Danach wurde sie zum Feuerlöschboot umgerüstet und nach ihrer Ausmusterung 1985 in ein Dampfschiff umgebaut. Karl Sailer: „Zuerst waren wir eine ganze Gruppe, nach und nach lichtete sich mit zunehmenden Kosten und Arbeitsstunden das Team, so dass ich mit rund 8 000 Arbeitsstunden am Schluss alleine dastand.“ Zurück gekehrt in Dingelsdorf empfängt uns als Abschluss die 50-Jahrjublarin „München“ mit der Fahrt zurück nach Konstanz. Der Reiseteilnehmer Marco Fischer hat den Tag fotografisch kunstvoll festgehalten: Fotogalerie.

Bilder: Ulrich Seitz recherchierte wochenlang in deutschen Archiven und ist vorab in München fündig geworden, u.a mit den richterlichen Untersuchungen des Unfalles vom 12. Februar 1864. Karl F. Fritz zeigt uns sein gut dotiertes, kleines Schifffahrtsmuseum im Billetschalter Dingelsdorf der BSB. Wetterglück mit warmer Herbstsonne begleitete die „Gustav Prym“ auf der Reise der Schiffs-Agentur. Jung und Alt fachsimpelten an Bord des schmucken Schraubenampfers. Text und Bilder H. Amstad, rf18

 

 

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