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Dienstag, 02 Oktober 2012 18:33

DS Rhône wird zum Wolgadampfer Lettucci

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Die Umbauarbeiten sind abgeschlossen: Der für viele Kenner formschönste Genfersee-Raddampfer Rhône hat komplett andere Aufbauten und damit eine andere Silhouette erhalten. Das Schiff wird als Wolga-Raddampfer für den Russen Nikita Mikhalkov (1945) unterwegs sein. Die „Rhône“ sollte nach dem vorliegeden Drehbuch Zarewitsch heissen, wurde nun aber mit "Lettucci" angeschrieben, was so viel heisst wie "fliegendes Schiff". Was im ersten Moment als Schockmeldung daherkommt und beileibe kein Aprilscherz ist, entpuppt sich beim näheren Hinschauen als lukratives Angebot für die finanziell nicht auf Rosen gebettete CGN. Eine Million Franken wert ist der Charter der drei Dampfschiffe Montreux, La Suisse und Rhône für das russische Filmstudio The Tree T aus Moskau.

Der russische Literatur-Nobelpreisträger Ivan Bunin schrieb 1925 die Novelle „A Sunstroke“ („Ein Sonnenstich“), eine Liebesgeschichte aus dem Jahr 1907 (Sunstroke). Auf der „La Suisse“ werden die 1.-Klasssalon-Szenen gedreht, die „Montreux“ wählte der Regisseur wegen dem einmaligen Blick vom Oberdeck in den Maschinenraum (das einzige Dampfschiff, das diese Einstellung zulässt) und die neue „Lettucci“ dient für sämtliche Aussenaufnahmen sowohl an Bord wie vom Wasser und vom Helikopter aus. Während die „Montreux“ und „La Suisse“ tageweise im Einsatz sind, steht die „Lettucci“ bis zum 18. November in Vollcharter. Weil die Liebesgeschichte à la Dr. Schiwago auf der Wolga spielt wird im Anschluss an die Dreharbeiten die Genfersee-Landschaft per Computeranimation mit dem Wolga-Ufer ausgeetauscht. Dies zeigt ein Beitrag des welschen Fernsehens eindrücklich (Link zum Beitrag).

Dass das russische Filmteam an die Gestade des Genfersees kommt, um mit den CGN-Dampfern die Geschichte mit und auf dem Wolgadampfer zu drehen, kommt daher, dass der einzige noch betriebstüchtige Raddampfer Russlands DS Gogol sich dafür nicht eignet. Andreas Werner, Kenner russischer Dampfschiffe, zur Schiffs-Agentur: „Gratulieren darf ich den Kulissenbauern zum gelungenen Umbau der ‚Rhône’ in einen Fluss-Kabinendampfer. Denn der vordere Oberdeck-Aussichtssalon und die Oberlichter über den Korridoren zwischen den Kabinen sind typische Merkmale der russischen Flussdampfer, wie sie zu Hunderten die grossen Flüsse und Kanäle befuhren.“

Die Station Bouveret ist komplett in eine russische Siedlung umgebaut worden. Das Anlegen für alle CGN-Schiffe ist zwischen dem 1. Oktober und 10. November nicht mehr möglich; die Oberseekurse der „Ville de Genève“ verkehren von Villeneuve direkt nach St. Gingolph. Am Abend fährt das Schiff jeweils nach Lausanne zum Übernachten und wird zusätzlich noch Entlastungskurse nach Thonon ausführen. Nicht genug: Während zweier Tagen stellt die SBB ihren Betrieb zwischen Monthey und Bouveret ein, um einen Dampfzug für die Filmaufnahmen fahren zu lassen. Ein Ersatzbus ist eingerichtet und die Mehrkosten übernimmt ebenfalls das russische Filmstudio, das dem Verlauten nach eng mit Putin verbandelt ist (http://de.wikipedia.org/wiki/Nikita_Mikhalkov). Die CGN freut sich über die Ehre des bekanntesten Filmregisseurs in Russland. Und die Denkmalpflege wird darüber wachen, dass nach dem Spuk die „Lettucci“ feinsäuberlich wieder in die „Rhône“ umgewandelt wird.

Die „Rhône“ kommt trotz allen Anstrengungen nicht ganz an den Charakter eines echten Wolgadampfers, aber fast... Während zehn Tagen sind Dutzende von Arbeitern im Einsatz für den Umbau. Ungewohnte Schriftzüge an den Radkästen der "Rhône" als "Lettucci" (Bild rts) und der "Montreux" als "Nymphe" (Bild J. Vernet). Text und übrige Bilder H. Amstad

1 Kommentar

  • Kommentar-Link Raphi Zwinggi Mittwoch, 10 Oktober 2012 15:27 gepostet von Raphi Zwinggi

    Interessant wie ein artikel in der glückspost oder so ähnlich. so richtung klatsch und tratsch. bin gespannt auf nächste solche geschichten

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