|
|
Der öffentliche Verkehr im Kanton Zürich spielt in der höchsten Liga. Auch Schiffsverbindungen sind im ZVV (Zürcher Verkehrsverbund) integriert und dadurch ganzjährig im Angebot. Dies kann auf dem Zürichsee durchaus auch zu Problemen führen, wenn auf den kleinen Rundfahrten im unteren Seebecken dank den günstigen Fahrpreisen die Kapazitätsgrenzen überschritten wird. Unbestritten sinnvoll ist hingegen die ZVV-Subventionierung der Querverbindungen für Pendler zwischen Küsnacht und Thalwil sowie Männedorf und Stäfa/Wädenswil. Auf dem Greifensee besteht das Dilemma Tourismus und öffentlicher Verkehr nicht: Während das Greifenseeschiff Heimat zwischen Maur und Uster See jahrein jahraus rund 10 Mal im Tag eine öV-Verbindung herstellt, sind die Rundfahrtenangebote im ZVV nicht dabei. Ich komme von Wetzikon her, steige mit schlankem Anschluss in Uster auf den Bus 817, der mich in 11 Minuten an die Schiffstation Uster See bringt. Gerade beim Eintreffen legt auch die „Heimat“ von Maur kommend am Steg an. Werner Wengi verabschiedet die Gäste, die nun auf den Bus umsteigen und heisst die neuen Pendler willkommen. 23 Jahre war er Schiffsführer bei der SGG, seit seiner Pensionierung macht er ab und zu Ablöse-Kapitän: „Ob bei Schneefall, Sturm oder Sonnenschein: das offene Boot mit der geheizten Kajüte ermöglicht ein schönes öV-Erlebnis.“ Und ich ergänze: „Nur schade, dass die ‚Heimat’ nach bereits vier Minuten Fahrzeit schon am Ziel ist.“ Nur wenn der See zugefroren ist ruht die Schifffahrt; so im Februar 2012 während 23 Tagen! Es war damals ein speziell kalter Winter und der obere Teil des Sees war während einer Woche sogar begehbar (siehe "Eiszeit auf Schweizer Seen"). Auf der andern Seeseite angelangt, erwarten mich alternierend die Buslinien 743 nach Stettbach (Zugsanschlüsse SBB) oder 747 nach Zürich Klusplatz (Tramanschlüsse zum HB). Zur Geschichte der 80-jährige Dame: 1932 wird vom eidgenössischen Schiffsinspektor die Betriebstüchtigkeit der „Möve“ (20 Personen) aberkannt. Das Verkehrsaufkommen verlangt nach einer grösseren Einheit. Die Firma K. Burkhardt in Uerikon erstellt das neue Schiff Heimat, das am 21. Mai 1933 mit einem Volksfest eingeweiht wird. Es ist seither das einzige Schiff mit dem Namen „Heimat“ auf Schweizer Seen. Schon damals wie heute war die SGG ein unabhängiger Schiffsbesteller: Dem Namen gehorchend bestellte die Gesellschaft die „Heimat“ nicht im Ausland wie alle andern umliegenden Seen, sondern liess das Schiff am Zürichsee und den Antrieb von der lokalen Firma Weber & Co. aus Uster erbauen. Konstrukteur und Bauleiter war kein geringerer als F. Kretzschmar, der als Schiffsbauingenieur bei Escher + Wyss gar manchen stolzen Raddampfer entworfen hatte. Diese Besteller-Unabhängigkeit gilt bis heute. Jedes SGG-Schiff kommt aus einer anderen Bauwerft: nebst der erwähnten Firma K. Burkhardt der „Heimat“ sind dies Escher Wyss Zürich (DS Greif), Bodan Kressbronn (MS Stadt Uster) und Shiptec Luzern (MS David Herrliberger). Die „Heimat“ verlor zwar beim Umbau von 1986 (wo eine fünfte Werft ins Spiel kommt: Lux Mondorf) sein historisches Cachet (z.B. Alufenster), dafür bekam die SGG zu einem fast neuwertigen Schiff. Ein Augenschein verrät aber, dass eine nächste Rennovations-Tranche bald bevorstehen könnte. Der seit 2010 tätige Geschäftsführer der SGG, Haio Tanner, dazu: „Eine grössere Renovation des Schiffes ist geplant, doch die dazu notwendige Finanzierung ist noch nicht abgeschlossen und somit kann ich noch keinen Termin bekannt gegeben. Die letzte gesetzlich vorgeschriebene Schalenkontrolle erfolgte im Januar 2012.“ Vor 80 Jahren auf dem Weg vom Zürich- zum Greifensee anzutreffen: die festlich geschmückte „Heimat“. Werner Wengi kennt den Greifensee aus 23 Jahren Berufserfahrung, hier am offenen Steuerstand von MS Heimat. Die Bugkabine bietet Schutz, wenn es draussen „chuttet“ (Bild 1 Archiv J. Gwerder, 2 Sammlung H. Amstad, übrige Fotos und Text H. Amstad) Quelle: Lebert F. et al „1890 – 1990 100 Jahre Schiffahrt Greifensee“
|
Samstag, 09 März 2013 16:24











