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Der Raddampfer Piemonte ist nach der Reduktion der Subventionen für die italienischen Schifffahrten im Jahr 2012 ausser einer Probefahrt gar nie gefahren. Selbst bereits gebuchte Sonderfahrten wurden gestrichen. Im Januar 2013 nun kam der letzte Raddampfer auf dem Langensee (und in diesem Jahr der einzig fahrbare in ganz Italien!) auf Stapel und wurde in der Aufzughalle der Werft der Navigazione Lago Maggiore in Arona überholt und für die Saison 2013 bereit gemacht. Damit war der Weg frei für die Sonderfahrt des Vereins Historische Seethalbahn im Rahmen einer Tagesreise an und auf den Lago Maggiore. Auch sonst brauchten die Organisatoren, ihnen voran Luitpold von Andrian, Marcel Anderhub und Mario Gavazzi, Ausdauer und starke Nerven – auch in diesem Jahr hing die Fahrt „an einem Faden“: In letzter Sekunde schaffte es der Verein bei der BLS die Ersatzkomposition RBDe 566I für die Sonderfahrt nach Luino aufzutreiben, da der Triebwagen RBe 4/4 1405 der Draisinensammlung Fricktal wegen einer behördlichen Verfügung des BAV sehr kurzfristig nicht zur Verfügung stand. Herzlichen Dank an den Verein, dass die tolle Reise dennoch stattfinden konnte! Der Durchhaltewille hat sich gelohnt. Nach 22 Jahren besteige ich die „Piemonte“ wieder zum ersten Mal; damals gab es an vereinzelten Tagen Rundfahrten sogar ab Locarno und bei meiner letzten Fahrt regnete es wie aus Kübeln. Heute aber begleitet uns 157 aufgestellte Fahrgäste auf der vierstündigen Extrafahrt seit Wochen ersehntes sonniges und warmes Frühlingswetter. Nach Ankunft des Sonderzuges in Luino legte die „Piemonte“ in einen weiten Bogen an, nahm dann Kurs Richtung Borromäische Inseln und ermöglichte in Stresa einen Fotohalt im besten Licht und mit Schneebergen im Hintergrund. Obwohl es im Vorfeld nicht gelang, das Restaurant zu öffnen, da keine vernünftige Restaurationslösung gefunden wurde, war die Stimmung an Bord ausgezeichnet: man verpflegte sich aus dem Rucksack wie zu Schulreisezeiten. Die Mannschaft zeigte uns das ganze Schiff, auch ein Besuch im Maschinenraum war möglich. Im Steuerhaus erkenne ich ursprüngliche Tätigkeiten: der Capitano steht am Maschinentelegrafen, neben ihm wechseln sich zwei Steuermänner ab, die ohne Servounterstützung das grosse Steuerrad bedienen, wo der Seilzug direkt aufs Ruderblatt wirkt. Einen Joystick sucht man da vergebens. Vorbei am Kloster Santa Caterina ging dann die Dampferfahrt zurück via Laveno nach Luino. Andrea Keller, der Direktor der NLM für das Schweizer Becken, gab interessante Streckenerklärungen, dazwischen gab es Möglichkeiten zu zahlreichen Fachsimpeleien unter den vielen bekannten Gesichtern der Schiffsszene. Luitpold von Andrian zog am Abend folgende Fazit: „Trotz vieler Hürden vor allem in Form der kurzfristigen Absage im Vorjahr stellt dieser Tagesausflug für unseren Verein eine gelungene Premiere dar. Es stimmte alles: Langersehntes Frühlingswetter mit fast sommerlichen Temperaturen, eine bezüglich Fahrzeit rekordverdächtige Zugsfahrt, eine herrliche Schifffahrt mit einem wunderschönen und geschichtsträchtigen Dampfschiff in einer vielseitigen Landschaft und am Abend lauter begeisterte Teilnehmerinnen und Teilnehmer – was will man mehr?" DS Piemonte fährt im Jahr 2013 als einziges Dampfschiff in Italien; hier beobachten Fotografen der Exkursion des Vereins historische Seethalbahn ein selten gesehenes Schauspiel: eine fahrende „Piemonte“. Zwischenhalt in Stresa, die Fotografen gehen wieder an Bord. Blick in das Steuerhaus mit dem Kapitän Germano Bacchetta links und dem Steuermann Simone Baldon. Mario Gavazzi stellt die Mannschat vor und begrüsst die Gäste an Bord der „Piemonte“. Text und Fotos H. Amstad
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DS Piemonte für die Historische Seethalbahn auf seltener Fahrt
2 Kommentare
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Mittwoch, 24 April 2013 15:50
gepostet von Eduard J. Belser
Die Fahrt war wirklich schön! Das Schiff sollte mehr fahren, der deftige «Schettino-Kuss», den die DS «Piemonte» dem Anleger in Stresa verpasste sah beängstigend aus. Da fehlt einfach die Fahrpraxis. Auch in einer ihrer Kernkompetenzen der Gastronomie haben die Italiener kläglichst versagt. Kein Tropfe Getränke war an Bord zu haben, von Esswaren ganz zu schweigen. Mit einer guten Schiffsgastronomie hätte sich sehr gut verdienen lassen. Was für ein heruntergewirtschaftetes Land ist dieses Italien unter Bunga-Bunga-Silvio geworden! Zum Glück hat uns das Team der Historischen Seetalbahn vorgewarnt und im Zug reichlich versorgt, verdurstet sind wir nicht.
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Mittwoch, 24 April 2013 08:29
gepostet von Felix Brun
Hallo
Ja das war eine tolle Fahrt, es wäre gut wenn die Piemonte mehr in Fahrt käme, damit die Mannschaft mehr Fahrpraxis kriegt. In Stresa hatten wir ein Riesen Glück!











