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1913 war ein besonderes Jahr. In Europa herrschte Aufbruchstimmung. Kultur und Technik erfahren eine Hochblüte – alles scheint möglich zu sein. Viele Dampfschiffe werden in Betrieb genommen. Künstler, Musiker und Literaten kommen zusammen, aber auch Erfinder und Industriepioniere wie z.B. Graf Ferdinand von Zeppelin und politische Machthaber wie der deutsche Kaiser Wilhelm II. spannen zusammen und bringen Fortschritt in das gesellschaftliche Leben. Am feierlichen Festakt „100 Jahre DS Hohentwiel“ im Zeppelinmuseum Friedrichshafen vom 17. Mai führt ein dreiteiliger, speziell für diesen Anlass geschriebener Dialog zwischen den beiden Herren Zeppelin und Wilhelm II. in die damalige Zeit. Sie verstehen sich gut, die beiden Herren, und feiern 1913 wenige Wochen nach Inbetriebnahme an Bord der „Hohentwiel“ den 75. Geburtstag von Graf Zeppelin. Bald soll sich das Bild verändern. Der Balkankrieg hallt bis nach Zentraleuropa und ein Jahr später erklärt die Monarchie Österreich-Ungarn den Serben den Krieg. Der Erste Weltkrieg bricht aus, die Aufbruchstimmung kippt ins Gegenteil. Anfangs waren Zeppelins Luftschiffe noch als Bomber und Aufklärer unterwegs, doch im Laufe des Krieges ging die Technik-Entwicklung über sie hinweg und die Flugzeuge übernahmen diese Rolle. So standen am Ende des Krieges beide am Ende: die Monarchie und die Ära der Luftschiffe. Auch die Herrlichkeit der königlich württembergischen Bodenseeflotte ging somit zu Ende.
Die „Hohentwiel“ feiert ihren Geburtstag würdevoll. Bereits erschienen ist bei der österreichischen Post eine Sondermarke. Gestern nun folgte der Festakt, an dem Reinhard Kloser zum Ehrenmitglied des Vereins Int. Bodensee-Schifffahrtsmuseum e.V. erkoren wurde. Am 26. Mai steht ein "Schweizer Tag" auf dem Programm mit drei Rundfahrten*, am 1. Juni befahren die Reiseteilnehmenden der Schiffs-Agentur den ganzen See von Hard bis Bodman. Vom 21. Juni bis 4. August würdigt eine Sonderaustellung im Zeppelinmuseum Friedrichshafen den Jubilar. Einer der Höhepunkte dürfte die Herausgabe des heute erschienenen Jubiläumsbuches sein. Hildegard Nagler ist es gelungen, verschollen geglaubte Unterlagen zu finden, diese journalistisch gekonnt zu verarbeiten und dabei neue Erkenntnisse und Zusammenhänge zu schildern, die für Fachleute und Schiffsliebhaber von höchstem Interesse sind. Ganzseitige Stimmungsaufnahmen und Geschichten von und über Menschen, die zur Erhaltung des Schiffes beigetragen haben, öffnen das Buch auch für das breite Publikum. Sogar Bundespräsident Ueli Maurer liess es sich nicht nehmen, das Vorwort zu schreiben. Rezension und Bestellung möglich: Hier. Graf Ferdinand von Zeppelin feiert am 8. Juli 1913 seinen 75. Geburtstag, das Schiff ist an diesem Tag besonders festlich geschmückt. Die Wiederinbetriebnahme der „Hohentwiel“ im Jahr 1990 kennt zwei Namen: Reinhard Kloser (Bild) als Retter, technischer Leiter des Umbaues und erster Kapitän sowie der 2011 verstorbene Klaus Henninger (Gründungspräsident des Vereins und somit Verantwortlicher der Finanzierung). Am Festakt 100 Jahre Hohentwiel übergibt die Autorin Hildegard Nagler dem Geschäftsführer und heutigen Kapitän Adolf Konstatsky das Jubiläumsbuch. Die „Hohentwiel“ ist am 17. Mai 2013 vor dem Zeppelinsmuseum abfahrtsbereit zur Galafahrt. (Bild 1 Archiv Hohentwiel Schifffahrtsgesellschaft, übrige Bilder und Text H. Amstad) *) Die Schweizer Sektion des Vereins hat am meisten Mitglieder der drei Länder. Damit das so bleibt können auch Sie Mitglied werden: Hier.
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