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Sonntag, 09 Juni 2013 18:20

Schwimmbagger Risleten: 15 Tonnen Kies pro Schaufel

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Der gestrige Besuch auf dem schwimmenden Greifbaggerwerk Risleten - zwischen Treib und Beckenried gelegen – hinterliess bei mir einen nachhaltigen Eindruck. Wir stehen in luftiger Höhe 18 Meter über der Wasseroberfläche und schauen zu, wie Markus Käslin den Greifbagger 175 m in die Tiefe sausen lässt. Nach vier Minuten greifen die beiden Schaufelarme zu, ein Ruck geht durch die Anlage und schon sind 8 m3 Material unterwegs an die Wasseroberfläche. Im Wasser begünstigt der Auftrieb den Energieverbrauch, oben angelangt wird der Inhalt 16 Tonnen schwer, was die 52 m lange und 400 (in Vollbetrieb 800) Tonnen schwere Anlage nochmals ins Wasser drückt. Anschliessend wird das Material in die vier Komponenten Sand (bis 4 mm Durchmesser), Splitt (4 - 8), Kies I (8 - 16) und Kies II (16 - 32) verarbeitet.

Es sind zwei Anlagen auszumachen: die eine holt das Kies herauf und die andere besteht aus diversen Sortier-, Wasch-, Entholzungs- und Brechanlagen. In einer Stunde können so 120 m3 Kies verarbeitet werden, womit man grad den Nauen Goliath füllen kann. Kies sind abgelagerte, durch Bäche und Flüsse rund geschliffene Steine. Millionen von Kubikmeter lagern hier auf dem Grund des Vierwaldstättesees; der Choltalbach hat es vom Schwalmis herunter gespült. Mit fixfertig aufbereiten Kies werden die Nauen Beckenried (Baujahr 2000, 760 t), Stans (1974, 680 t), Goliath (1928, 220 t), Neptun (1928, 160 t) und Mars (1930, 140 t) beladen und Richtung Horw gebracht. Pius Näpflin: „Produziert wird, was bestellt wird. Die grossen Strassenprojekte in der Schweiz sind gebaut. Und die Eisenbahn verarbeitet das Material aus dem Tunnelbau direkt vor Ort.“ Trotzdem läuft die Anlage recht gut, für acht Stellen gibt es Arbeit.

Weitere Schwimmbagger hat es in Flüelen und im Winter in Brunnen (Firma Arnold), Stansstad (Holcim) sowie in Buochs (WABAG wie jener von Risleten). Der gehobene Kies von der Engelberger-Aa wird bei der Mündung in den Vierwaldstättersee in Buochs ebenfall zur Anlage Risleten gebracht und hier verarbeitet. Während die Sortiermaschine vom Choltal-Kies Teile von Hirschgeweihen, Kuhknochen, Gemshörner und sogar einen Bärenunterkiefer herausfiltriert, sind es vom Buochser Bagger kübelweise Golfbälle aus Engelberg; der Golfplatz befindet sich dort direkt neben dem Fluss. Der Fundgegenstand des über 100-jährigen Bärenunterkiefers ist ein seltener Fund ausserhalb einer Höhle. Dieser befindet sich heute im Naturhistorischen Museum Luzern. Die bordeigene Sammlung zeigt auch Alu-Veloschilder: „Da ist jeder Jahrgang dabei, ausser 1953“ weiss Pius Näpflin zu berichten.

Die WABAG gehört zu den Seegesellschaften. Markus Käslin berichtet: „Der Ursprung von den Seegesellschaften geht auf das Jahr 1889 zurück und ist von den Kalk- und Cementfabriken Beckenried gegründet worden. 1920 haben die Jura Cement-Fabriken Aarau die Kalk- und Steinfabrik in Beckenried übernommen.“ Heute ist die WABAG ein Unternehmen der jura materials, die wiederum zum irischen Weltkonzern CRH gehört. Selbst vor dem Kies vom Choltalbach macht die Globalisierung nicht halt.

Wer mit dem Kursschiff von Gersau nach Treib fährt sieht den Giganten im Süden bei der Risletenschlucht. Betriebsleiter Pius Näpflin: „Wir haben eine durchschnittliche Stromrechnung von 15 000 Franken im Monat.“ Markus Käslin: „Die Anlage wurde letztmals 1992/92 für 4,5 Mio Fr. erneuert und kann dank der altbewährten Technik mit allen neuwertigen Anlagen Schritt halten.“ 8 Kubikmeter Kies mit einem Griff. Text und Fotos: H. Amstad


Rolf Gwerder, Kenner der Lastschiffe und Schwimmbaggern hat für die Schiffs-Agentur sämtliche Schwimmbagger zusammengestellt; Download
HIER

 

 

 

 

1 Kommentar

  • Kommentar-Link Roger Meier Mittwoch, 12 Juni 2013 15:35 gepostet von Roger Meier

    entlich mal was interessantes hier

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