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Das klingt verlockend: per Schiff auf dem Oberrhein ab Basel genussvoll nach Breisach fahren, am andern Tag durch das französische Kanalsystem zur kulinarischen Hochburg Colmar. Eine aufgestellte Pionierreisegruppe testet das Angebot, die ich zuvor entdeckt und rekognosziert habe. Die Breisacher Fahrgastschifffahrt holt uns mit der "Weinland Baden" in Basel um 9 Uhr ab und nimmt in Weil am Rhein noch eine weitere Reisegruppe mit an Bord. Ich geniesse den grosszügigen Platz, pendle während den folgenden sechs Stunden zwischen dem Oberdeck, dem „Esstisch“ in der Nähe des feinen Buffets und dem „Schreibtisch“ im Vorderschiff, wo ich mich ausbreiten kann. Auffallend, dass bei jeder Schleusung vor allem die Männer auf dem Oberdeck dem Geschehen eifrig zuschauen, selbst bei Regen, der zwischenzeitlich auf uns einprasselt. Die erste Schleuse Kembs kommt bald nach Basel; sie bringt uns 14 m tiefer in die oberrheinische Tiefebene. Sie wurde bereits 1932 fertig erstellt als Folge des Vertrages von Versailles 1919. Überhaupt ist die Entstehung dieses Rheinseitenkanals eng verbunden mit der europäischen Geschichte (Weiter im Text: Link). Bald folgen die zwei Schleusen Ottmarsheim und Fessenheim. Ein Blick auf das umstrittene Atomkraftwerk wird frei, optisch hinterlässt es mir keinen vertrauensvollen Eindruck. Mit jeder Schleusung werden wir hier 15,5 Meter tiefer gesetzt. Die letzte vor Breisach heisst Vogelgrün (oder elsässisch geschrieben Vogelgrun – aber gleich ausgesprochen wie in der deutschen Schreibweise). In solchen Gross-Schleusen mit 185 Meter Länge und 22,80 Breite hätten sechs Schiffe unserer Grösse Platz. Der Güterverkehr ist heute rege, vor oder nach jeder Schleuse hat es Gegenverkehr. Dies führt zu „Staus“, da sich bei jeder Anlage zur Zeit die zweite Kammer in Revision befindet und damit die andere Kammer sowohl den Berg- wie den Talverkehr abwechslungsweise meistern muss. Deshalb kommen wir in Breisach später an, was aber niemanden störte. Breisach ist ein charaktervolles Städtchen, das es zu entdecken gilt. Empfehlenswert ist der Besuch des dreischiffigen Stephansmünsters, gleich neben unserem Hotel gelegen. Der spätromanische Bau ist für seine kulturhistorisch bedeutsame Innenausstattung bekannt (Link). Am andern Tag besteigen wir MS Napoleon. Die Abmessungen des Neubaues aus dem Jahr 2012 leiten sich von den Pénichen ab, den früheren Lastschiffen auf den französischen Wasserstrassen: 38,4 m Länge und 5.05 m Breite. Somit passt unser Fahrgastschiff in jede der drei Schleusen grad so knapp hinein. Die Raumaufteilung des Schiffes ist entsprechend „optimiert“ – das Schiff ist für 200 Passagiere zugelassen. Angesprochen auf die engen Raumverhältnisse in seiner Steuerkabine meint Kapitän Thomas Albert, man habe im Verlaufe des Baues das Steuerhaus zugunsten einer grösseren Küche „schrumpfen“ lassen. „Grundsätzlich sind die Fahrgastschiffe heute halt schwimmende Restaurants geworden“, meint er mit etwas Wehmut. Während wir den Apéro geniessen biegt die „Napoleon“ vom Canal Neuf Brisach hinein in den alten Rhein-Rhone-Kanal. Davor und dahinter ist diese historische Wasserstessse z.T. aufgeschüttet. Mit dem Bau des Kanals wurde 1784 begonnen, er konnte 1833 in Dienst gestellt werden. Der alte Rhein-Rhône-Kanal verlief also ursprünglich nicht wie heute zum Doubs, sondern Richtung Mülhausen und weiter über Colmar nach Strasbourg. Diese Streckenführung wurde dann durch den Rhein-Seitenkanal ersetzt. Hunderte von wilden Kischbäumen säumen den Kanal. Die Reiseteilnehmerin Susi Bosshard: „Es ist, als ob ein Garten vorbei fährt.“ Vögel aller Art begeistern Ornithologen. Zwischendurch wird der Blick frei auf Mais- und mit rotem Mohn durchsetzen Getreidefelder. Auch heute sorgt ein feines Schiffs-Buffet für zusätzliche Anwechslung und die badische Weinkarte lässt keine Wünsche offen. Kurz vor Colmar queren wir den Fluss Ille, danach geht es ein kurzes Stück auf das Gewässer Lauch, das seinen Namen vom früheren Gemüsehandelsweg hat. Ein Extrabus bringt uns dann in die Stadt. Zu Fuss durch Colmar besuche ich das sogenannte Klein-Venedig, um die Lauch nochmals auf einer „Colmarsch’en Gondel“, einer mit Elektromotor angetriebenen Barke, zu geniessen. Sauerkraut- und Wurstduft und das Fehlen der Rialto-Brücke zeigt an, dass wir uns doch nicht in Italien befinden. Die Bahn fährt uns zum Ausgangspunkt Basel zurück. Der Meinung von Ruth Studiger: „Es hat alles sehr gut geklappt und es hat uns wunderbar gefallen“, haben sich auch die andern Teilnehmenden angeschlossen. Dieses Angebot ist in umgekehrter Richtung für Gruppen bei der Schiffs-Agentur drei Mal im Jahr buchbar. Bilder: Die „Weinland Baden“ holt uns in Basel ab.Blick auf den Verlauf des "Grand Canal d'Alsace" wie der Rheinseitenkanal von den Franzosen genannt wid. Blick ins Steuerhaus der „Napoleon“. Soeben biegt das Schiff vom alten Rhein-Rhone-Kanal rechtwinklig in den Canal de Colmar ein. Die Stadt Colmar im Quartier Petite Venice mit ihren Fachwerkhäusern vom Wasser aus betrachtet. Text und Bilder H. Amstad |
Samstag, 29 Juni 2013 10:02












