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Der Sempachersee ist ein grosser See im schweizerischen Mittelland. Er lässt seit jeher keine Schifffahrt zu, obschon nicht zuletzt durch das Paraplegikerzentrum in Nottwil ein Bedürfnis vorhanden wäre. Es gibt auch das Entgegengesetzte: südlich von Leipzig habe ich am 12. Juli eine Schifffahrt entdeckt, die es bereits gibt, bevor der See richtig Wasser hat. Die „Santa Barbara“ verkehrt auf den Tag genau seit nunmehr fünf Jahren auf dem Zwenkauer See, aber erst in einigen Jahren wird der See seine geplante Grösse von knapp 1000 ha haben, so gross wie der Hallwilersee oder zwei Drittel des Sempachersees... Auf dem ehemaligen Tagabbau-Braunkohlegebiet entsteht im Zuge der Renaturierungsbemühungen eine grossflächige Freizeitanlage mit einem System von Seen, Schleusen und Kanälen. 1999 wurde der Tagebaubetrieb eingestellt und man begann mit der Herstellung der Böschungssysteme als wichtige Voraussetzung zur Füllung des zukünftigen Zwenkauer Sees. Dazu wurden bis Ende 2009 14,5 Millionen Kubikmeter Erdmassen bewegt. Die aktive Flutung startete im Januar 2007. Zur Beschleunigung der Flutung und zum Hochwasserschutz wurde eine Verbindung zum benachbarten Fluss Weisse Elster hergestellt und im April 2013 mit den Worten des Leipziger Bürgermeisters eröffnet: „Auf dass dieser Kanal nie gebraucht werden muss“. Bereits im Juni aber war so weit: Durch die Flutung des Zwenkauer Sees, der beim schlimmen Hochwasser innert Stunden 2,55 m anstieg, konnte eine Überschwemmung von Leipzig verhindert werden. Nach der Flutung begann der Zwenkauer See sich rot zu verfärben; die Verbindung von Wasser, Sauerstoff und dem pyrithaltigen Grubenaushubmaterial löste eine chemische Reaktion aus. Es entstand Eisenhydroxid und Schwefelsäure. Die Säure liess den pH-Wert im See auf lebensfeindliche 2,5 sinken, das Eisenhydroxid bewirkte die rote Farbe. Kapitän Swidbert Scholz: „Wir fuhren vor 5 Jahren durch Rotwein.“ Seit Sommer 2011 giesst man täglich (!) 27 t Kalkmehl, sog. Brandkalk in den See, mit dem Ergebnis, dass der pH-Wert nach zwei Jahren bereits bei 4,5 liegt und das Ziel (mit neutralem Säure-/Basisverhältnis von 7,0) in einigen Jahren erreicht sein dürfte. Dadurch hat sich der See zu einem auffallend kitschigen Blau verfärbt. Das Flutungsende soll bei einem Endwasserstand von 113,5 m ü. Meer im Winter 2014/15 erreicht sein. Bis dann wird der Wasserspiegel nochmals um 4 Meter steigen und die „Santa Barbara“ kann nach fast sieben Jahren endlich in ihren Hafen einfahren, der schon längst gebaut ist und heute als grosse, noch trockene Landschaftswanne irritierend wirkt. Zusammen mit dem Matrosen und Restaurateur Axel Bittner, der seit vier Jahren dabei ist, erleben er und der Kapitän jährlich neue Landschaften, der See wächst flächenmässig um Faktoren in die Fläche, die Schutthalden gehen unter. Die „Santa Barbara“ fährt drei Mal täglich kursmässig zum Teil durch „Wälder“, wo die oberen Zipfel der Bäume noch aus dem Wasser ragen. Axel Bittner meint denn auch: „Wenn der See gefüllt ist, wird’s langweilig.“ Das Schiff macht einen auffallend gepflegten Eindruck. Geschmackvolles Mobiliar innen wie aussen sowie nette Accessoirs und einen monatlich neu erscheinendes Sonderfahrtenprospekt deuten darauf hin, dass da Profis am Werk sind. Sie sind stolz auf „ihr“ 1957 in Oberkassel erbautes Schiff. Dieses war vor 2008 als „Walküre“ auf dem Plauer See und auf der Müritz unterwegs. Auch auf den andern Gewässern des Leipziger Neuseenlandes gibt es je eine Schifffahrt: auf dem Cospudener See ist MS Neuseenland (35 Personen) unterwegs und auf dem Markkleeberger See die neue „Wachau“ (Lux, 130 Personen), die dank einer Schleuse auch auf dem 4 Meter höher gelegenen Störmthaler See fahren kann. Unglaublich, dass hier erst kürzlich noch der letzte Kohlezug gefahren ist. Und bald werden nur noch imposante Bilder, die rote Schale und der Name des Schiffes an diese Zeit erinnern: die heilige Barbara ist die Schutzpatronin der Bergleute. Am 4. Dezember ist jeweils in allen Bergwerken, Stollen und im Bau befindlichen Tunneln ein Feiertag. Die „Walküre“ erreicht am 27. Juni 2008 die Anfänge des Zwenkauer Sees, noch ist ihr Rayon sehr beschränkt. In wenigen Wochen wird danach das Schiff komplett renoviert und erhält den Namen „Santa Barbara“. Im untersten Bild erkennt man die Ausmasse des Hafens in Kap Zwenkau, ich stehe auf der zukünftigen Mole, rechts die Anlegestellen der Schiffe, im Hintergrund die Hafengebäude. Foto 1: S. Scholz, Text und Fotos 2 – 4: H. Amstad Weitere Bilder aus dem Internet: hier
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Samstag, 13 Juli 2013 20:19











