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Freitag, 09 August 2013 16:33

Bei einem Jahrhundertsturm sinkt MS Schwan auf dem Zugersee

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Gesehen hat es niemand. Es muss aber schnell gegangen sein: der Untergang des Personenschiffes Schwan auf dem Zugersee, am 7. August 2013 um ca. 18.30 Uhr. „Zuerst ist es schwarz geworden. Zahlreiche Blitze schlagen ein, einer davon trifft den Cisalpino in Oberwil, eine weisse Wand steuert Zug zu, der Sturm wird immer stärker. Alle flüchten sich an sichere Orte,“ so die nachträglichen Schilderungen. Zu dieser Zeit bin ich in Schweden, als das Telefon läutet und meine Frau mir die Hiobsbotschaft überbringt. Das Abendessen bleibt auf dem Teller, die darauf folgende Nacht verläuft unruhig. Bald erhalte ich erste Berichte. Selbst aus dem Ausland treffen Mails ein, wo man sich nach dem Schicksal des Schiffes erkundigt. Das Medieninteresse ist gewaltig, eine halbe Stunde später zeigen mir Kollegen auf ihrem IPad erste Berichte.

Nach meiner Rückkehr erfahre ich Details. Der Sturm richtete rings um den Hafen grosse Schäden an: 50-jährige Bäume sind samt Wurzelwerk ausgerissen worden, Boote sind zerstört, Fische liegen auf der Schützenmattwiese. Vor der Zuger Altstadt müssen sich Fahrgäste des Personennauens Winkelried in Sicherheit bringen: Die Taue des Nauens werden durch die Kraft des Sturmes zerrissen, das Schiff treibt anschliessend führerlos gegen den Landsgemeindeplatz. Dabei wird das Ruder zerstört und die Schraube beschädigt.

Es vergehen keine 24 Stunden und die „Schwan“ wird aus sechs Metern Tiefe gehoben, dies mit Hilfe eines gewaltigen Pneukranes. Dazu braucht es zahlreiche Personen, die kurzfristig und mit grossem Engagement zur Stelle sind: Taucher der Kapo Schwyz, das Wasserwerk mit Abmontieren eines Kandelabers, das Tiefbauamt mit Entfernen von Hecken, die Firmen des Pneukrans und des Tiefladers, um nur einige zu nennen. Der Geschäftsführer von MS Schwan Stefan Hellstern: „Grosse Unterstützung habe ich auch von der SGZ erhalten, vom Unternehmensleiter bis zum Matrosen waren alle am Schadenplatz und halfen, wo sie nur konnten“. Alles sei gut organisiert worden, besonnen und ruhig verlaufen und auf Sicherheit bedacht. „Die Anteilnahme der Bevölkerung und der Medienleute war beeindruckend.“

Nach der Bergung kann ich mir den Hergang des Unglücks so vorstellen: Gewaltige Wellen haben vermutlich die Heckfront von MS Schwan eingedrückt. Das Wasser durchflutet das Schiff und macht das Mobiliar zu Kleinholz. All die mit Herzblut 2001 erstellten Aufwändungen des Orionsclubs sind innert Minuten zerstört. Am Bug angelangt füllt das Wasser die Kajüte, das Schiff beginnt vornüber zu sinken. Weitere Gegenstände fliegen nun gegen den Steuerstand und beschädigen diesen stark.

Erst anfangs März 2013 hat die Schiffs-Agentur die „Schwan“ als Betreiberin von der SGZ übernommen, viel Geld investiert in eine Bordstromversorgung mit Generator und in eine neue Rückwand. Nach zu erwartendem, zurückhaltendem Start sahen die Auftragsbücher für den Herbst richtig gut aus, eine ausgeglichene Jahresrechung war in Griffnähe. Nun stehe ich auf dem Mitteldeck und muss, was die Aufbauten betrifft, von einem Totalschaden berichten. Im Maschinenraum ist Ruedi Metzger beschäftigt, die Antriebsmaschine zu konservieren, zu reinigen und heikle Aggregate auszubauen. „Wenn es uns gelingt, den Motor innert einer Woche zum Laufen zu bringen, ist die Maschine gerettet,“ meint Hagi Ehrismann vorsichtig optimistisch. Die beiden sind nun zusammen mit Hagis Ehefrau Moni als „kleine Heinzelmännchen“ daran, öl- und dieselhaltiges Bilgenwasser aus dem Schiff zu pumpen, Reste vom Mobiliar zu entsorgen, wertvolle Utensilien wie Bordstempel und Bordkasse zu sichern, alles trieft noch nach Tagen von dieseldurchzogenem Wasser. Die Firma Risi unterstützt sie mit einer flotten Infrastruktur. Stefan Hellstern erblickt im Chaos von herausgerissenen Türen, verdrehten Dachträgern und zerschlagenen Scheiben auch Lichtblicke: „Die Schale ist unversehrt und das Deck zu retten. Mit gemeinsamer Anstrengung könnte das Schiff im März 2014 wieder neu erstrahlt fahren.“ Dieses ehrgeizige Ziel braucht finanzielle Mittel im sechsstelligen Bereich. Zu diesem Zweck engagiert sich der Verein MS Schwan unter dem Motto: „Rettet das MS Schwan“ – jede Spende ist hoch willkommen!

Nach 24 Stunden taucht die „Schwan“ dank einer Grossaktion wieder aus dem Wasser; der grösste Pneukran der Schweiz bringt das Schiff in die Lüfte auf einen Tieflader; Blick in die Kajüte: es tut weh... Mediales Grossereignis, selbst am dritten Tag danach, der Geschäftsführer leistet vollen Einsatz. Bild 1 IV. Amstad, Bild 2 C. Amstad, Bilder 3, 4 und Text H. Amstad

Konto für Unterstützungsbeiträge zur Rettung des Schiffes: Verein MS Schwan, 6300 Zug Zuger Kantonalbank 80-192-9 IBAN: CH05 0078 7007 7197 8080 1

 

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1 Kommentar

  • Kommentar-Link Mobilitätsagentur Ochsner Dienstag, 13 August 2013 07:46 gepostet von Mobilitätsagentur Ochsner

    E voila - ich freue mich dass die Schiffs-Agentur so offen und ehrlich kommuniziert, dies ist etwas vom Ersten dass die Menschen interessiert. Weiter so!

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