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Mittwoch, 23 Oktober 2013 08:10

Ostsee: Drei Dampfeisbrecher in drei Tagen

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Heute ordne ich die Fotos von der spannenden Leserreise der Dampferzeitung, die anfang August in die Ostsee führte. Auf dieser Schiffserkundigung hatte ich vier Geldbeutel in der Tasche: polnische Sloty, schwedische und dänische Kronen sowie Euros für Stralsund, die zum Teil innert einem Tag mehrfach zu wechseln waren. Otmar Egli meinte in der Ausschreibung: „Fast kommt es einem vor, als machten wir eine Weltreise.“ Dabei waren alle Angebote innerhalb eines sehr angenehmen, engen geografischen Raumes angesiedelt: Per Schiff und Bus waren wir vor allem in der Arkonasee (zwischen Bornholm und Kopenhagen) und auf der Meerenge zwischen Malmö und Helsingborg unterwegs. Andreas Westphalen erwies sich einmal mehr als Kenner dieses Dampfer-Gebietes und führte uns unter anderem an drei nacheinander folgenden Tagen zu drei verschiedenen Dampfeisbrechern in drei Ländern.

Antonia Krämer ist einzige Frau im „Bauch“ des DS Stettin und beschickt von Hand eines der sechs Flammrohre mit Kohle. Zusammen mit ihren Kollegen füttert sie die Kesselanlage mit einer Tonne Kohle pro Stunde. Daneben ist auch die dreimannshohe Dreifach-Expansionsmaschine mit 2 200 PS eine imposante Erscheinung. Bis zu 120 Umdrehungen pro Minute stampfen die drei Kolben im Maschinenraum. Der Besuch der Antriebsanlage der „Stettin“ ist während der Fahrt jederzeit erlaubt – Technik zum Spüren, Begreifen, zum Riechen und... Schwitzen. Das grösste kohlebefeuerte Dampfschiff der Welt mit Jahrgang 1933 ist seit 1981 ein Museumsschiff. Wir stiegen in der gleichnamigen Stadt Stettin zu, wo gleichzeitig die Tall Ship Races 2013 für ein grosses Spektakel sorgten. 96 Segelschiffe waren hier vereint, darunter ein Dutzend Grossegler. Ich habe noch nie so viele Menschen an einem Ort gesehen, unglaublich. Und alle kamen wegen den Schiffen – und der Chilbi darum herum. Mit uns fuhr die „Stettin“ 65 km nordwärts über die Oder zum Ostseebad Swinemünde, dann nach dem deutschen Ostseeort Sassnitz. In ihrem 80. Jubiläumsjahr standen 43 Fahrten auf dem Programm, eine imposante Leistung des Vereins.

Am 6. August erreichten wir per Bus abends Malmö. Nach einem Spaziergang zum Hafen stand sie da: die „Bore“, der zweite Dampfeisbrecher unserer Reise. 30 Jahre dauerte die Renovation und seit diesem Jahr steht sie nun wieder unter Dampf. Das Schiff aus dem Jahr 1894 ist eine imposante Erscheinung, einer der ersten Dampfeisbrecher überhaupt und heute der älteste der Welt. Die Zweizylinder-Compound Maschine erreicht über 600 PS. Mich beeindruckte die sorgfältige Renovation: detailgetreue Nachbildungen von defekten Teilen, sorgfältige Restaurierung der Originalobjekte und dies mit viel Liebe zum Detail. Etwas irritiert hat mich, dass es dem Eigner nicht gelang, die am andern Tag geplante Probefahrt bereits heute zu machen – immerhin waren auf unsrer Führung die Öfen heiss.

Am 7. August stand mit der „Björn“ ein weiterer Dampfeisbrecher auf dem Programm. Wir kamen nach einer kurzen Fährefahrt von Helsinborg (Schweden) in Helsingör (Dänemark) an und schon von weitem sahen wir das schmucke Dampferchen im Hafen stehen, an prominentester Lage. Aus dem Schornstein entwich Rauch, der uns willkommen hiess. Auf der dreistündigen Rundfahrt auf dem Sund geniesse ich die wärmende Sonne und den leckeren Gourmetteller. Auch für diesen Dampfer dauerten, die Renovationsarbeiten 30 Jahre. Nun steht die “Björn“ (Baujahr 1908) seit 2012 wieder unter Dampf. Die Dreifach-Expansions-Dampfmaschine bringt bei 450 PS Leistung eine Tourenzahl von 130. Wir verabschieden uns vom noch einzigen dänischen Dampfeisbrecher mit letzten Fotos. Gibt es am Dampf-Rundum Flensburg im Jahr 2015 vielleicht ein Wiedersehen mit dem sympathischen Dampfer?

Der in Polen erbaute Dampfeisbrecher Stettin besuchte anlässlich seines 80.Geburtstages die Oder, hier in Swinemünde. Harte Männerarbeit können auch Frauen verrichten: eines der sechs Feuerlöcher wird gereinigt. DS Bore liegt in Malmö nur wenige Meter von ihrer ursprünglichen Bauwerft. Die historische Restaurierung machte vor den sanitären Anlagen nicht Halt. DS Björn empfängt uns im dänischen Hafen Helsingör. Die 33 Reiseteilnehmenden geniessen die Charterfahrt auf dem Schönwetterschiff. (Text und Bilder H. Amstad)

 

 

 

 

 

 

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