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Die Bise war mit vier Grad Kälte unangenehm. Trotzdem herrschte Feststimmung bei der Débarcadère in Vevey. Ballone weisen den Weg, die Anstehschlange für ein Billet zur ersten öffentlichen Rundfahrt ist 50 Meter lang. Auf der ersten Fahrt um 14.00 Uhr sind Stehplätze angesagt, auf der dritten Fahrt zwei Stunden später hat man bequem Platz. Das Radmotorschiff Vevey ist nach einer 20-monatigen grundlegenden Rennovation ab heute wieder in Betrieb. Es kam festlich beflaggt wie anno 1907 Vevey entgegen; vom Bisennebel und grauen Genfersee hob sich das Schiff strahlend ab. Erwartungsvoll bestieg ich das Schiff. Der CGN ist es gelungen, das Image seiner Belle-Epoque-Flotte von Jahr zu Jahr zu steigern. Die Bevölkerung beginnt das weltweit einmalige Kulturgut der acht Belle-Epoque-Schiffe zu entdecken und zu schätzen. Parallel dazu steigt auch die Qualität – nur die Fahrplanentwicklung lässt jetzt noch Wünsche offen. Am 14. August 1907 war die erste Jungfernfahrt. Das von den Gebr. Sulzer aus Winterthur erbaute Schiff stand dann bis 1953 unter Dampf. Damals wurde bei sechs Dampfschiffen die Maschine durch eine dieselektrische Anlage ersetzt (siehe auch Link). Nach drei Millionen Kilometer Fahrleistung, was über 70 Mal der Erdumrundung entspricht, fuhr die „Vevey“ am 30. September 2010 das letzte Mal für lange Zeit. Langes Warten war angesagt, bis das Geld von den Kantonen Waadt, Genf und Wallis gesprochen wurde. Am 29. Mai 2012 begann dann die grundlegende Revision in der Werfthalle in Ouchy. 60 000 Arbeitsstunden stecken nun im „neuen“ Schiff, das auch eine neue Antriebsanlage bekam. Ein Rundgang auf der „Vevey“ bietet Entdeckungen angenehmer Art: Der Salon mit seinem top-restaurierten Edelkastanien-Holztäfer und seinen nachgebauten Belle-Epoque-Lampen sowie den Bronzebeschlägen an Wänden und Deckstützen strahlt eine aussergewöhnliche Stimmung aus, die in seiner Wirkung durch den roten Teppich richtiggehend potenziert wird. Mit den Dampferfreunden ABVL (finanzielle Zuschüsse) und der APL (Association Patrimoine du Léman) mit einer fundierten denkmalpflegerischen Beratung war da ein gelungenes Team am Werk. Das fehlende Erlebnis der Pleuelstangen der Dampfmaschine wird versucht wett zu machen durch einen freien Platz im Mittelschiff, der wie ein „Dorfplatz“ wirkt. Die grosszügige Verglasung der Radkästen gibt den Blick frei aufs ganze Schaufelrad, unterstützt wird die Szenerie durch eine dem Rot der Räder angepasste Beleuchtung. Der 1. Klasse-Rauchsalon auf dem Vorschiff ist ein subtiler Wiederaufbau. Er bekommt seine Bedeutung auch vom Konzept her, diesen vom (Kunststoff-) Kamin und vom hinteren verglasten Gastrosalon zu trennen, was dem Bauzustand vor 1953 entspricht. Dieser Rückbau scheint mir besonders gelungen. Die „Vevey“ wird nun zum dritten Mal in Ihrem „Leben“ zur Schwerstarbeiterin: das Schiff wird das ganze Jahr im Einsatz stehen.* Festlich beflaggt und gut besucht: der erste öffentliche Betriebstag der „Vevey“ vom Samstag, 16. November 2013. Noch fehlen die Handläufe und noch andere Details – auch der Auspuff muss verlegt werden. Didier Zuchuat, Direktor des Centre de documentation du Musée du Léman und Präsident der APL sowie der Architekt Nicolas Dupasquier haben mit ihrem Knowhow Wesentliches zum guten Gelingen der Salon-Rennovation beigetragen. Grosszügiger Platz im Mitteldeck, wo einst die Dampfmaschine stand mit Blick aufs Schiffsmodell (rechts) und die in Szene gesetzten Schaufelräder. Text und Bilder 1-4 H. Amstad, Bild 5 A-L. Amstad vom 23.11.13 *) Die „Vevey“ fällt wegen einer Kollision in Cully ab dem 26. November für enige Wchen aus. Vogesehen ist ab dem 13. Dezember bis Ende Jahr ein Einsatz ab Genf: freitags auf der Abendfahrt und sonntags auf den Kurspaaren 330/331 sowie 738 bis 741.
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Sonntag, 17 November 2013 20:06












