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Donnerstag, 05 Dezember 2013 21:02

Bordbuch DS Rigi: spannende Geschichte(n) über ein 165- jähriges Schiff

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Josef Gwerder und This Oberhänsli beschreiben im Bordbuch  „Dampfschiff Rigi“ die wechselvolle Geschichte eines Dampfschiffes, das zu den ältesten der Welt gehört. Casimir Friedrich Knörr eröffnete 1837 die Dampfschifffahrt auf dem Vierwaldstättersee. Der Kanton Uri waren aber mit den Leistungen des Luzerner Unternehmens gar nicht zufrieden, weshalb dann der Urner Carl Emanuel Müller 1847 die „Postdampfschifffahrts-Gesellschaft“ gründete. Josef Gwerder: „Dabei musste sie ihre zwei Dampfschiffe in England bestellen, da die Luzerner Konkurrenzgesellschaft Knörr einen Exklusivvertrag mit Escher Wyss in Zürich hatte.“ Von London bis Strasbourg wurden im September 1847 die Schiffsteile auf dem Wasserweg, bis Basel dann mit der französischen Eisenbahn und weiter mit Pferdefuhrwerken transportiert. In Liestal wurde der Konvoi aufgehalten, weil man Munitionsschmuggel vermutete: Der Sonderbundskrieg zwischen den konservativen, katholischen Zentralschweizer Kantonen mit Wallis und Freiburg gegen die liberalen, eher reformierten Kantone vom November 1847 war im Gang. Es war ein Bürgerkrieg und zugleich auch die letzte militärische Auseinandersetzung auf Schweizer Boden. Die Schale und Aufbauten des Dampfschiffes Rigi mussten wieder zurück nach Frankreich, um ruhigere Zeiten abzuwarten. Der Transport der Maschine und des Kessels wurde bereits in London gestoppt. Am 27. Januar 1848 traf endlich alles in Luzern ein mitsamt den englischen Bauleuten. Bereits am 16. März erfolgten Stapellauf und Namensgebung Rigi, die Jungfernfahrt dann am 30. Mai 1848.

Am Ende des Krieges bekam die Schweiz ein parlamentarischer Bundesstaat, die erste Bundesverfassung trat in Kraft, die moderne Schweiz wurde geboren. Im November 1848 wählte das Parlament den ersten Bundesrat in der Schweiz und Bern wurde zur Bundeshauptstadt. Im Buch folgt nun das interessante Kapitel „Daten und Fakten“ mit allen zur Verfügung stehenden Informationen über das Schiff. Zahlreiche Bilder erzählen eine zusätzliche Geschichte. Gwerder: „Beachtenswert ist nicht nur die bauliche Entwicklung des Schiffes sondern ebenso sehr jene der Umgebung.“ Hier wird deutlich, was es heisst, wenn ein Schiff 105 Jahre lang verkehrt. Am 31. Juli 1952 fährt die bereits zur Aktivzeit gewordene Legende zum letzten Mal aus.

 

 

Nach sechs Jahre Stillstand in der Werft begann 1958 das zweite Leben des „Rigali“, wie das Schiff von den Luzernern liebevoll genannt wird. Der Glattdeckdampfer kam ins Verkehrshaus der Schweiz und wurde von Anfang an zu einem wichtigen Ausstellungsexponat. Das Verkehrshaus der Schweiz wurde nach zweijähriger Bauzeit am 1. Juli 1959 eröffnet. Otto Dreyer war der gleiche Architekt wie bei der Gestaltung des Interieurs MS Schwyz (Link) und der Landesausstellung 1939 in Zürich. This Oberhänsli beschreibt im Buch nun die ebenso wechselvolle Geschichte von DS Rigi. Heute sieht das Schiff unattraktiv aus: Nach 1959 und 2005 scheint es zum dritten Mal ein Wrack zu sein. Insbesondere das Hochwasser von 2005 setzte dem Oldtimer arg zu. Bis 2009 erfolgte die Neuplatzierung des Schiffes vor der Schifffahrtshalle. Diese in der Folge als wenig langfristig und sehr unterhaltsintensiv zu bezeichnende Renovation erwies sich als weiterer Stolperstein, weshalb das Schiff zur Zeit kein Vorzeigeobjekt ist. Für den Verkehrshausdirektor Martin Bütikofer, der auch das Vorwort zum Buch schrieb, ist aber klar: „Bis 2018 haben wir die Ziele erreicht, das industriearchäologische Unikat als begehbares Museumsschiff von Weltrang nachhaltig renoviert zu haben.“ Dazu gehören die Rekonstruktion beider Schaufelräder, der Wiedereinbau der Originalmaschine und des Kessels sowie die Beschaffung beträchtlicher finanziellen Mittel. Mit dem Kauf des Bordbuchs unterstützt man dieses Ziel.

Josef Gwerder präsentiert bereits sein 7. Bordbuch; zusammen mit This Oberhänsli hat er die Geschichte des heute 165-jährigen Glattdeck-Dampfer Rigi minutiös recherchiert (05.12.13). Erste Baustelle DS Rigi 1959 beim Bau des Verkehrshauses. Zweite Baustelle: Nach dem verheerenden Hochwasser erneuert das VHS das Schiff (Bild vom 18.04.06). Die Arbeiten waren 2009 abgeschlossen, die Freude aber von kurzer Dauer: dritte Baustelle von heute. Projektleiter Fabian Brunner hat alle Hände voll zu tun, wenn das historische Bijou 2018 mit allen Elementen wieder eröffnet werden soll (05.10.13). Bild 2 aus dem Bordbuch DS Rigi, Text und Bilder H. Amstad, Bild im Textteil Sammlung H. Amstad

Buchbesprechung und Bestellung: Link

 

 

 

 

 

 

 

 

2 Kommentare

  • Kommentar-Link A. Roos Montag, 02 Mai 2016 15:32 gepostet von A. Roos

    Schoen, dass dieses Unikat wieder zum alten Glanz finden wird!

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  • Kommentar-Link Matthias Buchmann Samstag, 14 Dezember 2013 09:22 gepostet von Matthias Buchmann

    MS Rigi wäre spannender!

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