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Sonntag, 19 Januar 2014 17:04

Reisebericht: Mit Tram und Schiff durch Basel

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Um die Zeit des Feierabendverkehrs fahren auf dem Basler Bahnhofplatz sehr viele Trams vor. So sind wir erfreut, dass unsere Extrafahrt des Düwag-Triebwagens 645 minutengenau um Viertel nach Fünf startete. Es galt, auswärtigen wie einheimischen Gästen auf einem ungewöhnlichen Umlauf eine Rundfahrt quer durch die Stadt am Rheinknie zu bieten. Tramführer Beat Leuthard kurvte die 20 Reiseteilnehmenden zuerst auf der Linie 1 bis Brausebad, dann auf der Linie 6 bis Allschwil und später via Kannenfeldplatz und Dreirosenbrücke (wieder Linie 1) und - via der Linie 8 - nach Kleinhüningen. Ab dort ging es über die Dreirosenbrücke zur Linie 11 und via St. Johanns-Tor zur Schifflände. Der ehemalige SGV-Saisonier Leuthard überquerte dabei zwei Mal den Rhein, wo wir unser erstes Schiff schon mal von Tram aus erblicken konnten. Unterwegs staunten viele wartende Trampassagiere, weil das Extratram vorne exotische, aber historisch korrekte Liniennummern trug, so die 9 (statt 6) und die 24 (statt 8).

Die Schiffs-Agentur-Reise unter dem Motto „Winterlicher Basler Rhein“ führte dann an die Mittlere Rheinbrücke auf das MS Lällekönig. Wie lange dieses Schiff bei der BPG noch fährt ist ungewiss. Die bevorstehende Gesamtsanierung wirft grundsätzliche Fragen eines Ersatzbaues auf. Der neue Direktor Peter Stalder sorgt seit seinem Amtsantritt 2010 für eine erfreuliche Entwicklung, nachdem die BPG sowohl politisch wie führungsmässig lange Zeit auf „Schlingerkurs“ war. Seine Prognose zum Überleben eines der formschönsten Schiffe der Schweiz: „Ich teile Ihre Meinung, dass die ‚Lällekönig’ eines der schönsten Schiffe auf den Binnengewässer ist. Das Hauptmotiv für die Beschaffung einer Ersatzeinheit ist nicht das Schiff an sich, sondern die veränderten Bedürfnisse der Kundschaft. Unsere Kunden möchten in Basel mehr erleben als nur eine Rundreise; die Erlebnisse stehen im Vordergrund. Darum benötigen wir Raum und Fläche für Konzerte, Kulturveranstaltungen und hochstehende kulinarische Angebote. Die ‚Lällekönig’ ist in dieser Hinsicht zu kleinräumig gebaut. Hinzu kommen Investitionen an allen vier Motoren, sowie gesetzliche Auflagen der SUK, die bei der nächsten Überprüfung erfüllt sein müssen. Wir sind sehr bemüht, die beste Lösung für die Region und das Unternehmen zu finden und daher kann ich auch signalisieren, dass noch nicht alle Entscheide getroffen sind.“

Im Basler Rheinhafen beim Dreiländereck stieg die Gruppe aus und wurde durch die Baslerdybli-Schiffsführerin Ursula Reichlin auf ihrem Schiff begrüsst. Ich nehme ihre Begeisterung für nautische Themen wahr; sie kommt von der Fluss-Schifffahrt her und hat alle europäischen Schiffsfühter-Patente. Sie schwärmt von der „Baslerdybli“: „Zu solchen Schiffen muss man Sorge tragen.“ So steht hier die Ausrangierung trotz ebenfalls grösseren, bevorstehenden Revisionsarbeiten nicht zur Diskussion. Herausragendes Element ist der Unterdeck-Salon mit dem Originaltäfer des Dampfschiffes Pilatus vom Vierwaldstättersee. Hans Ritter, damaliger Direktor der BPG, suchte in den Siebzigerjahren europaweit nach einem Dampfschiff für seine Flotte, da er visionär den Wert eines Dampfschiffes erkannte. Nach seiner erfolglosen Suche blieb die Idee, 1980 ein dampferähnliches Motorschiff um den Pilatus-Salon herum zu bauen – so nach dem Motto, dass der Schiffbauingenieur der Linzer Werft Öswag die Abmessungen der Pilatus-Fenster bekam und dann zu konstruieren begann. Auch die Dampfpfeife ist original. Blicke ins Steuerhaus, in den Maschinenraum und in die bestens ausgebaute Küche ergänzen den Rundgang, begleitet mit einem Glas Glühwein und süssen Basler Spezialitäten.

Den Abschluss des Ausfluges bildet eine Fahrt auf der dritten Einheit, der „Christoph Merian“. Das Schiff wurde im letzten Herbst für knapp eine Million Franken vollständig renoviert. Der Übergang vom niedlichen MS Baslerdybli zum grossräumigen Architektenschiff (von Urs Gramelsbacher) war etwas abrupt. Der erste Eindruck hat mich nicht überzeugt, das konnte aber daran liegen, dass es Nacht war und es viele Leute an Bord hatte. Ich freue mich auf eine ausgiebige Fahrt in der kommenden Saison. An der Schifflände Basel angelangt, fuhren im Anschluss die Reiseteilnehmenden mit den Oldtimertrams auf den Museumslinien, andere besuchten die bis zwei Uhr früh geöffneten Museen und ein paar wenige peilten die Heimreise an, weil sie morgen früh an die Arbeit mussten...

Mit dem Düwag-Extratram der Schiffs-Agentur mit Fotohalt in Allschwil; beim Besteigen auf die „Lällekönig“ steht der Salat bereits auf dem Tisch, so dass auf der ersten stündigen Fahrt keine Hektik aufkommt. Ursula Reichlin führt uns durchs ganze Schiff Baslerdybli, auf dem Bild links die Originaltüre und rechts ein Teil des Erstklass-Salons des ehemaligen SGV-Dampfers Pilatus. Auf der „Baslerdybli“ befindet sich eine vollständig eingerichtete Küche, weshalb das Schiff auch für lange Fahrten bis nach Colmar eingesetzt werden kann. Auch das dritte Schiff der BPG, die frisch renovierte „Christoph Merian“ lernen wir auf einer Fahrt kennen. Text und Bilder H. Amstad

 

 

2 Kommentare

  • Kommentar-Link Hans Roth Mittwoch, 29 Januar 2014 12:26 gepostet von Hans Roth

    Dieser Event hat mir sehr gefallen. Ich hoffe auf weitere solche Leckerbissen.

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  • Kommentar-Link Judith+Ruedi Bachmann-Kundert Freitag, 24 Januar 2014 08:33 gepostet von Judith+Ruedi Bachmann-Kundert

    Diese Kombination von attraktiven Fahrzeugen und Strecken des ÖV mit kulinarischen Angeboten und netter Gesellschaft war Spitze. Danke!

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