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Im Winter Schiff fahren wird immer beliebter. In Luzern, Zürich und Thun haben dies die Schifffahrtsgesellschaften (zum Teil schon längst) entdeckt und bieten öffentliche Winterfahrten an, dies mit grossem Erfolg. Unterstützt durch das milde Wetter liegen die Frequenzsteigerungen in diesem Winter im zweistelligen Prozentbereich. So auch bei der KD (Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt AG), die gegen Vorbestellung einen täglichen Winterfahrplan zwischen Boppard, St. Goar und Rüdesheim anbietet. Der Mittelrhein ist im Winter ausserordentlich reizvoll; die vielen Burgen kommen ohne das Grün der Bäume besonders schön zur Geltung. Auf dieser Strecke gibt es drei Kurspaare, die nach Auskunft der KD-Mediensprecherin Nicole Becker von vielen Gruppengästen insbesondere aus dem asiatischen Markt benutzt werden. „Wir sind in diesem Jahr fast täglich gefahren. Ein Ausbau des Winterfahrplans am Mittelrhein ist aber zur Zeit nicht geplant. Dafür haben wir andere Winterangebote insbesondere im Advent in den Städten Köln, Düsseldorf und Frankfurt enorm ausgebaut. Wir fahren die Adventsfahrten in Köln inzwischen mit unseren beiden grossen Eventschiffen RheinEnergie und RheinFantasie. Auch Silvester auf dem Fluss ist ein Grossereignis, bei dem wir fast mit der gesamten Flotte im Einsatz stehen.“ Ab Rüdesheim stand MS Boppard im Winterkursverkehr, ab Boppard fuhr die Firma Gilles im Auftrag der KD und dies mit wechselnden Schiffen. Dieses Familienunternehmen aus Vallendar liess bereits 1931 das erste Schiff von der Koblenzer Werft bauen. 1940 musste der Schifffahrtsbetrieb kriegsbedingt eingestellt werden, 1948 begann der Wiederaufbau. Der ehemalige Fährbetrieb Vallendar - Koblenz wandelte sich zur heutigen Ausflugsschifffahrt auf Rhein und Mosel. Die Flotte umfasst fünf Schiffe (Link). KD und Gilles arbeiten auch im Sommer zusammen, zum Beispiel auf der Mosel. Beim Besuch in Koblenz steht ausserdem eine Fahrt mit der sogenannten 3S-Luftseilbahn (2 Tragseile + 1 Zugseil) auf die Festung Ehrenbreitstein auf meinem Pflichtprogramm. Die Anlage wurde im Rahmen der Bundesgartenschau 2011 von Doppelmayr/Garaventa gebaut und beförderte dabei über 2 Millionen Fahrgäste! Die Konzession sah vor, dass die Seilbahn im November 2013 wieder abgebaut wird. Dieser Rückbau galt ursprünglich als notwendig, um den UNESCO-Weltkulterbe-Status nicht zu gefährden. Die Bürgerinitiative Pro Seilbahn hatte nun Erfolg und konnte eine Konzessionsverlängerung bis 2026 bewirken, was Einheimische wie Touristen ausserordentlich freut. Bei meinem Besuch ist die Obwaldner Firma Gasser dabei, das Membrandach der Bergstation zu erweitern. Damit können die 18 Grossraumgondeln (zu je 35 Personen Fassungsvermögen) auf dem „Berg“ stationiert werden, was eine Bedingung für die Konzessionsverlängerung ist. Eine Fahrt mit dieser Luftseilbahn ist im doppelten Sinne lohnend: die Linienführung vom Ufer des Rheins nahe dem Deutschen Eck quer über den Strom auf den 118 m hohen Felsen ergibt einen atemberaubend schönen Überblick auf die Schifffahrtsstrassen Rhein und Mosel. Und die Bahn an sich ist ebenfalls einen Besuch wert: Sie errecht mit 7 600 Personen in beide Richtungen die weltweit höchste Förderkapazität pro Stunde (Link). Hinweis: im Winter fährt die Bahn nur an Wochenenden; im Sommer täglich, z.T. bis 22.00 Uhr. Für den Rückweg benutze ich den ebenfalls attraktiven Schrägaufzug mit Selbstbedienung. Der Einstieg ist versteckt; man geht zuerst zur Jugendherberge am äussersten Zipfel der Festung (Nähe Felsentor), von dort ist der Weg zur Bergstation ausgeschildert und führt durch die Festung. Die Fahrt ist im öV-Ticket inbegriffen. An der Talstation Obertal angelangt erreiche ich nach 200 m Fussmarsch Richtung Fluss das Rhein-Museum. Gegründet 1912 ist es ein kulturhistorisches und nautisches Museum und zeigt das Leben am und auf dem Rhein unter verschiedenen Aspekten. Jeder Raum zeigt ein Kapitel, so über die Beseitigung des für die Schiffer gefürchteten Bingerlochs oder die Entwicklung der Güterschifffahrt. 100 Jahre jünger ist in Koblenz ein weiteres Museum über die Rheinschifffahrt: letztes Jahr ist am Zentralplatz eine Ausstellung im Neubau „Forum Confluentes“ entstanden mit dem Namen „Romanticum“. Es ist eine interaktive Erlebnisausstellung, in der das romantische Mittelrheintal mit allen seinen Facetten und Besonderheiten inszeniert wird. Als Passagier auf einem Dampfschiff begebe ich mich auf eine Zeitreise und erlebe an diversen Ausstellungsstationen den Rhein mit seiner Schifffahrt, seinen Sagen und Geschichten. Extremer könnten die Konzepte der beiden Museen nicht auseinander liegen. Im ersten bewege ich mich durch eine Sammlung „toter“ Materialien, dessen Vielfalt gewaltig ist. Im zweiten switche ich von Kopfhörer zu Kopfhörer, dessen akustische Signale mir das Betrachtungs- und Verarbeitungstempo vorgeben; die Exponate sind stark reduziert. Ein Mittelweg würde mir wahrscheinlich gut gefallen. MS Boppard steht ab Rüdesheim im Einsatz. Die Gilles-Flotte führt die Winterkurse ab Boppard aus, hier MS Königsbacher mit KD-Flagge am Bug. Ungewöhnliche Kombination: die 3S-Luftseilbahn mit Sicht auf Rhein- und Moselschiffe. Eine virtuelle Schiffsreise ab Film aus Sicht des Steuermannes im Museum Romanticum. Und im Rhein-Museum die Dreizylinder-Expansions-Dampfmaschine eines Dampfschleppers mit dem Baujahr 1898. Bild 1: KD, Text und übrige Bilder H. Amstad
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Sonntag, 16 März 2014 19:16













