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Im Sommer ist die „Inside Passage“, welche der Westküste Kanadas entlang bis nach Alaska führt, vielen Kreuzfahrtengästen bekannt. Die Schiffsreise führt in der Mitternachtssonne durch herrliche Fijordlandschaften wie jene auf der Hurtigruten Norwegens. Da ich selber für eine Schifffahrtsgesellschaft arbeite, die ebenfalls im Sommer ihre Hochsaison hat, entschied ich mich für die abenteuerliche Winterzeit. Nach ein paar Skitagen im Whistler Mountain Gebiet bestieg ich in Horseshoe Bay nördlich von Vancouver die Fähre nach Vancouver Island. Auf der Überfahrt waren einige Delfine zu beobachten. Für die Fahrt von Nanaimo nach Port Hardy zum Ausgangshafen der kanadischen Inside-Passage Fährverbindung gibt es für ÖV-Freaks eine tägliche Busverbindung oder als bequemere Alternative das Mietauto. Am Folgenden Tag warten wir sehnsüchtig auf unsere Fähre. Sie kommt infolge eines heftigen Wintersturms sieben Stunden verspätet an. Es ist die 2004 in Griechenland erbaute „Northern Adventure“, eines von 35 Fährschiffen der BC Ferries (http://www.bcferries.com). Die 118 Meter lange und beladen 9 984 Tonnen schwere Fähre verlässt den mitten im Wald angelegten Hafen von Port Hardy und führt uns durch die rauhe See nordwärts. Während eines Grossteils der Reise fahren wir in Abdeckung von Inseln. In den seltenen Fällen, in denen man Backbord ins offene Meer sieht, erfassen uns schon mal sehr grosse Wellen, bei denen wir unsere Getränke festhalten müssen. Die für 600 Personen zugelassene „Northern Adventure“ ist mit knapp 30 Fahrgästen und wohl doppelt so vielen Crewmitgliedern kaum besetzt, dies ein Vorteil gegenüber einer Fahrt in der Sommersaison. Draussen legt sich der kalte Wind etwas, dafür beginnt es zu schneien. In Prince Rupert angekommen, haben wir Zeit den nördlichsten Hafen der kanadischen Westküste zu besichtigen. Prince Rupert ist der tiefste Naturhafen Nordamerikas, ganzjährig eisfrei und liegt bis zu drei Überfahrtage näher an den asiatischen Märkten als die Häfen weiter im Süden. Der Frachtverkehr in dieser sonst sehr einsamen Gegend ist immens. Jede Woche (im Sommer häufiger) fährt von hier im Winter eine Fähre weiter in den Norden nach Alaska. Da unser „Anschluss“ wegen der Verspätung weg ist, machen wir eine Zugsreise nach Prince George ins Landesinnere und fliegen weiter in den Norden nach Whitehorse. Hier erfahren wir, dass bereits 1866 das erste Dampfschiff den Yukon-Fluss befuhr. Die 1937 erbaute „Klondike II“, welche noch heute zum Besichtigen am Ufer von Whitehorse steht, gehörte der White Pass Railway Gesellschaft und konnte mit ihren 1050 PS die 740 Meilen nach Dawson zu den Gruben der Goldgräber in nur 36 Stunden zurücklegen. (www.pc.gc.ca/ssklondike). Ganz in der Nähe in Attlin befindet sich auch das aufgedockte, ehemalige Benzin-Motorschiff Tarahne, ein Luxusschiff mit Holzschale aus den 1920er-Jahren. Es ist draussen immer noch minus 33 Grad und die ideale Gelegenheit einen Tee zu trinken. Leider ist dies auf der Tarhane nur im Hochsommer möglich: Das Schiff öffnet jeweils am ersten Juli-Samstag fürs Publikum unter dem Motto „Tea on the Tarahne“.
Über den White Pass erreichen wir Skagway und somit Alaskas Südwestküste. Die Stadt am Meer war zu Goldgräberzeiten der Ausgangspunkt für die gefährliche Anreise zu den Gruben am Yukon. Die ehemalige Einwohnerzahl von über 20 000 ist bis heute auf ca. 800 ganzjährige Einwohner gesunken. Hier holen wir einen der schönsten Abschnitte der „Inside Passage“ nach und fahren bei herrlichem Wetter mit der Fähre „LeConte“ (http://www.dot.state.ak.us/amhs) nach Haines, wo sich ein imposantes Flusstal mit vielen Weisskopfadlern befindet. Vor dem Rückflug in Vancouver bieten sich die Ostereier-ähnlich aussehenden „False Creek Ferries“ gerade an die Stadt vom Wasser aus zu besichtigen… In diesem Sinne: frohe Frühlings- und Ostertage. Überfahrt nach Vancouver Island ab Horshoe Bay; mit MS Nordthern Adventure auf der Inside Passage im Schneesturm; DS Klondike II als Museum in Whitehorse am Ufer des Yukon; mit der amerikanischen Fähre LeConte in traumhafter Fijordlandschaft unterwegs von Skagway nach Haines; Die „Tarahne“ am eisbedeckten Attlin Lake; die Ausflugsboote in Vancover im "Ostereier"-Stil. Text und Bilder M. Bisegger Karte im Textteil: Liniennetz der False Creek Ferries in Vancouver Weitere, z.T. auch historische Bilder siehe auf facebook (Link) |
Samstag, 29 März 2014 21:41














