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Samstag, 05 April 2014 17:36

Reisebericht: Saisoneröffnung auf den Untersee und Rhein mit MS Konstanz

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Für viele der 24 Reiseteilnehmenden war es das erste Mal, eine Fahrt mit dem legendären „Konstanzerli“ zu geniessen. Nicht so für den Betriebsleiter Lukas Reimann, der ebenfalls dabei war und uns interessante Details aus der Geschichte des MS Konstanz erzählte: „MS Konstanz war mit Jahrgang 1925 das erste Schiff der Bodanwerft mit einer Stahlschale. Es wurde vom Motorbootbetrieb der Stadt Konstanz bestellt und von der Schweizerischen Dampfboot-Gesellschaft für Untersee und Rhein (heute URh) betrieben. Für 140 Personen zugelassen verband das Schiff die Konzilstadt Konstanz mit den sog. Höri-Gemeinden des Untersees, wo das Haupteinsatzgebiet des Schiffes bis nach dem Zweiten Weltkrieg blieb. Nach 11 Jahren kam es in den Besitz der Schaffhauser; der Kaufvertrag sieht vor, dass das Schiff nicht umbenannt werden darf. 1946/47 baute die Bootswerft Faul aus Horgen das Schiff zum ersten Mal um: der Hecksalon bekam grössere Fenster und der ursprüngliche MWM-Motor wurde durch einen Sulzermotor mit Gegenkolben ersetzt, wodurch die sperrige Motorhaube im Mittelschiff entfiel. Die nächste Umbauphase geschah im Winter 1960/61 in der Bodanwerft Kressbronn: der Steuerstand wurde gehoben und mit einem klappbaren Steuerhaus versehen. 21 Jahre später kommt die dritte Motorengeneration aufs Schiff mit schnell laufenden Cumminsmotoren; die Besatzung wird von vier auf zwei Mann reduziert, das Fassungsvermögen auf 60 beschränkt. Ein heftiger Sturm bringt am 14. Januar 1984 eine Pappel zu Fall, die im Werftareal direkt auf MS Konstanz fällt und den Salon zerstört. Mit dem Neuaufbau verlängert die Bodan-Werft den Salon um eine Fensterreihe. Das 80-jährge Schiff wird schliesslich 2004/05 durch die SBS-Werft in Romanhorn wiederum umfassend saniert. Das Erscheinungsbild wird unter denkmalpflegerischer Mitwirkung an frühere Zustände angelehnt und der Salon wieder rückgebaut.“

Das Schiff steht seither unter Denkmalschutz. Es verkehrt in den letzten Jahren an rund 35 Tagen im Jahr. Insgesamt hat die „Konstanz“ bereits rund 645 000 Fahrkilometer unter dem Kiel, wobei das Jahr von 1931 mit 32 569 km ein absoluter Rekord darstellt. Diese Zahl wurde weder vorher noch in späteren Jahren von einem andern URh-Schiff erreicht.

Auf der dreistündigen Fahrt von Schaffhausen nach Stein am Rhein war es zwar trocken aber frisch, so dass das grosszügige Heck selten zum Verweilen einlud. Das junge Grün der Buchen, die herrliche Blütenpracht der wilden Kirschbäume und das Gelb der Forsythien in den Gärten blieben bei dieser grauen Biesenwetterlage etwas diskret, erfreuten aber trotzdem die Aufmerksamen unter den Reisenden. Andere fachsimpelten und genossen das Schiff stärker als die Umgebung, die auf diesem Abschnitt abwechslungsreich und wegen der schmalen Fahrrinne nautisch interessant und zum Fahren anspruchsvoll ist. Der an Bord anwesende Betriebsleiter fällte vor zwei Tagen den Entscheid, dass heute die URh-Schiffe fahren konnten: „Wir waren zwei Zentimeter unter dem eigentlich ‚fahrbaren’ Pegel.“ Das Niedrigwasser des Rhein verursachte dann Verspätungen, so dass unser Ziel Stein am Rhein nur am Rande gesichtet werden konnte und der Fotohalt sich auf Schaffhausen beschränkte. Dafür konnte eine Gruppe in Büsingen auf der Rückfahrt rechtzeitig auf MS Arenenberg umsteigen und so gegen Abend die ganze Rheinstrecke bis Kreuzlingen befahren. Früher als andere Gesellschaften des Bodensees eröffnete die URh die Kursschifffahrt der Saison 2014, zusammen mit einer Extrafahrt der Schiffs-Agentur.

Während das Schilf am Rheinufer noch das Winterkleid trägt, zaubert das Buchenlaub ein zartes Grün in die Landschaft. Lukas Reimann erläutert drei prägnante Bauzustände von MS Konstanz: die festlich beflaggte Jungfernfahrt aus dem Jahr 1925, der Bauzustand zwischen 1984 und 2004 und der aktuelle während unserer Fahrt. Bilder 3 und 4: Sammlung L. Reimann, Bild 5 D. Eichenberger, Bilder 1, 2 und Text H. Amstad

 

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