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Samstag, 10 Mai 2014 19:50

Der Zugersee hat seinen Schwan zurück

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Aus Anlass der Wiederinbetriebnahme von MS Schwan gab es heute auf dem Zugersee erstmalig eine Formationsfahrt aller Fahrgastsschiffe. MS Zug, Rigi und Schwyz von der SGZ, MS Yellow von der GGZ, MS Titan von den MV Seefahrten, der Nauen Winkelried von Bruno Camenzind und MS Schwan fanden sich vor der Räbmatt zusammen, um gemeinsam nach Zug zu fahren und dort den Willkommensgruss für das älteste Schiff auf dem See zu überbringen. 78 Fahrgäste waren auf dem Begleitschiff MS Schwyz an Bord, das von der Schiffs-Agentur gechartert wurde und für alle zugänglich war.

An der vorgängigen Eröffnungsfeier gab zu unserer grossen Freude dem MS Schwan die ganze politische Prominenz von Zug die Ehre. Kantonsratspräsident Hubert Schuler, Landamann Beat Villiger* (mit Finanzdirektor Peter Hegglin vom Regierungsrat), Stadtpräsident Dolfi Müller (mit Bildungspräsidentin Vroni Straub und Baudirektor André Wicki), Ständerat Joachim Eder und Nationalrat Bruno Pezatti sind nur einige Namen, die der Vereinspräsident Jost Windlin an der kleinen Feier am Bahnhofsteg in Zug begrüssen konnte. Auch Cyrill Weber, CEO der ZVB und ich von der Schiffs-Agentur durften unseren herzlichsten Dank ausrichten an alle, die zum Gelingen des zeitlich wie finanziell ambitiösen Projektes beigetragen haben.

Nach dem Unglück vom 6. August 2013 zeigte eine Analyse, dass Schale, Ruderanlage, Propeller, der Hauptmotor, der Generator und die Kajüte mit verhältnismässig kleinem Aufwand in Stand gestellt werden konnten. Zerstört wurden die gesamte elektrische Anlage (inkl. Wicklungen im Generator), der Steuerstand, sämtliches Mobiliar und der Hauptdecksalon. Bevor im November die ersten Arbeiten gestartet werden konnten musste die Finanzierung geklärt sein. Eine besondere Herausforderung für die Baukommission** war die Frage, wie die Aufbauten auf dem Hauptdeck aussehen sollten. Ein Blick in die Baugeschichte des Schiffes zeigte uns, dass nun bereits der fünfte Aufbau entstand. Auf dem Ägerisee war der hintere Teil des Schiffes leicht versenkt und die Fahrgäste sassen halb in der Schale, Vorhänge schützten vor Regen und Wind. Nach dem Wechsel auf den Thunersee 1929 bekam das Schiff ein Hauptdeck, auf dem die Fahrgäste auf Holzbänken Platz nahmen. 1949 kam auf dem Brienzersee ein erster Aufbau aufs Hauptdeck. 28 Jahre später (1977) wurde der Aufbau abermals neu gebaut und bekam die Form, die das Schiff von 2001 bis zum Untergang auch auf den Zugersee hatte.

Die Baukommission hatte sich entschlossen, das Innere des Hauptdeck-Salons nach den heutigen Kundenbedürfnissen zu gestalten mit einem hellen, transparenten Intérieur mit guter Sicht auf den See und die Landschaft. Stühle und Tische sind mobil; die Anordnung kann so nach den Kundenwünschen gestaltet werden. Neu kommt das Zuger „Chriesi-Holz“ als Gestaltungselement ins Schiff. Die äussere Gestaltung des neuen Hauptdecksalons lehnt sich nun optisch an den Brienzersee-Zustand zwischen 1950 bis 1977 an, wo die Höhe des seitlichen Schanzkleides die Unterkante der heutigen Verglasung bestimmte. Ab dort war es dazumal offen, heute ist es verglast, um das Schiff ganzjährig einsetzbar zu machen. Gleichzeitig musste das Dach um 10 cm gehoben werden, um es zu isolieren. Dies ermöglicht zum einen den Einsatz im Winter und zum anderen eine willkommene Hitzedämmung im Sommer. Eine schallabsorbierende Holzdecke erzeugt ein angenehmes Klima mit trockener Akustik.

Am Gelingen der nun neu erstrahlten „Schwan“ haben zahlreiche Partner beigetragen. Die Firma Risi AG hat uns das „Werftgelände“ unentgeltlich zur Verfügung gestellt, Hagi und Moni Ehrismann haben am Schluss Tag und Nacht mitsamt den Wochenenden nebst dem Elektrischen Tausenderlei von notwendigen Details umgesetzt, Filip Erzinger und Lucca Otth brachten gestalterische Elemente herein, die Schreinerei Speck lieferte hochstehende Arbeit ab, Maler Arno Matter und sein Team setzten ihr grosses Knowhow ein. Stefan Hellstern übernahm die anspruchsvolle Koordination.***

Beim Zusammentrommeln der Spendengelder war der Verein MS Schwan unter der Leitung von Jost Windlin ein unverzichtbarer und höchst engagierter Partner (und wird es auch in Zukunft bleiben). Nebst der kantonalen Unterstützung des Lotteriefonds und Dutzenden von Spendern sei an dieser Stelle unserer fleissigen Sammlerin Rita Mazzoleni aus Walchwil gedankt, die inzwischen über 20 000 Franken mit Einzel- und zum Teil Kleinstspenden zusammen „getrommelt“ hat und erst dann aufhören wird, wenn auch die offenen 80 000 Franke noch in der Kasse sind. Das Budget betrug 420 000 Franken. Zählt man all die Fronarbeiten und Rabatte dazu, beläuft sich der Gesamtaufwand auf weit über eine halbe Million Franken. Die Reaktionen von den heutigen Premieren-Besuchenden waren durchwegs positiv. „Das Schiff gefällt mir, es ist optisch grösser geworden, leichtsamer und heller“, meint stellvertretend Hugo Berchtold, früherer Unternehmensleiter der ZVB und Hauptverantwortlicher, dass das Schiff im Jahr 2001 überhaupt auf den Zugersee kam.

MS Schwan auf der ersten öffentlichen Rundfahrt vor der Altstadtkulisse von Zug; Blick aus der Kajüte von MS Schwan auf die Formationsfahrt, bei der auch MS Zug, Rigi und Schwyz (v.l.n r.) von der SGZ teilnahmen. Auf der Premierenfahrt mit dabei waren auch (v.l.n r.) Hugo Berchtold als ehemaliger CEO der ZVB, Landamann Beat Villiger und Verwaltungsratspräsident der SGZ Christoph Straub. Die sog. Katastrophenbucht in Zug war am 10.5.14 voller Schiffe. Ab 16.00 Uhr offerierte die Zuger Kantonalbank der Bevölkerung Kurzrundfahrten. Bild 1 M. Fröhlich, Bild 2 M. Bisegger, Bild 4 www.andreasbusslinger.ch, Bild 5 M. Meier, Bild 6 H. Wyttenbach, Text und Bild 3 H. Amstad

*) Die originellen Grussworte des Zuger Landamannes sind im Anhang nachzulesen.

**) In der Baukommission waren Jonas Panacek (Leitung, Schiffbauingenieur), Benj Schacht (SGZ, Vertreter der Eigentümerin des Schiffes), Ulrich H. Moser (Vertrter des Vereins MS Schwan), Heinz Amstad (Schiffs-Agentur, Betreiberin), Stefan Hellstern (Geschäftsführer MS Schwan)

***) Weitere Unterstützungen siehe im Blog „MS Schwan als beliebtes Fasnachtssujet“

 

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