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Samstag, 24 Mai 2014 09:21

Festivitäten zum 100-Jahrjubiläum DS Stadt Rapperswil auf dem Zürichsee

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In diesem Jahr feiert der Zürichsee 100 Jahre DS Stadt Rapperswil. Betrachten wir kurz, was vor 100 Jahren geschah: Die Dampfschiffe des Jahrganges 1914 waren in den Jahren 1912 oder 1913 bestellt worden, in Jahren eines wirtschaftlichen Aufbruches und gesellschaftlicher Euphorie in Europa. Niemand ahnte, dass kurz darauf der 1. Weltkrieg vor der Tür stehen würde. Noch heute fahren drei dieser Raddampfer mit Jahrgang 1914. Sie hatten kurz nach Auslieferung die Auswirkungen des Krieges ganz unterschiedlich erlebt. Die „Savoie“ auf dem Genfersee hatte 1915 mit 40 315 Kilometer eine Rekordfrequenz zu verzeichnen. Der Genferseeexperte Didier Zuchuat erklärt dies so: „Lors de la Première Guerre mondiale, les services en côte de Savoie se sont poursuivis jusqu’en 1917 car c’était encore une zone franche sans frontières.“ Die „Lötschberg“ auf dem Brienzersee wurde hingegen nach nur neun Einsatztagen für neun Jahre ausser Betrieb genommen, da die ausländischen Kurgäste ausblieben. Und auch für die "Stadt Rapperswil" auf dem Zürichsee gab es ab dem 4. August 1914 empfinfdliche Betriebseinschränkungen.

 

2014 bietet die ZSG zu Ehren ihrer 100-jährigen Lady ein buntes Angebot. Bereits am 5. April fuhr der Dampfer nach der GV der Aktion pro Raddampfer Zürich aus, am 25. bis 27. April lockte die Jubilarin Tausende von Besuchenden anlässlich der Tage der offenen Dampfschiff-Tür an, wobei auch das neue Buch „Die Zürichsee-Schifffahrt“ vorgestellt wurde (Link). Am Muttertag gab es stimmungsvolle Parallelfahrten mit der „Stadt Zürich“ und der ebenfalls jubilierenden „Helvetia“ (50 Jahre). Diese Konstellation genoss ich auch gestern Freitag auf einer Fahrt an Bord der „Etzel“ (80-jährig!) von Zürich zum Hafenfest und Oldtimertreffen in Rapperswil. Die Überlegung, dass ich von der „Etzel“ aus die beste Sicht auf die zwei Raddampfer und die „Helvetia“ hätte, erwies sich dann als nicht ganz richtig. Die drei ZSG-Schiffe legten in Zürich „mit Volldampf“ ab und verschwanden zusehends am Horizont. Unser Schiff konnte das Tempo im besten Willen nicht mithalten. Oberhalb der Halbinsel Au zwischen Weieren und Rietliau warteten die drei „Grossen“ dann nicht nur auf uns, sondern auf noch weitere 10 private Fahrgastschiffe*, um sich um die „Stadt Rapperwil“ im Kreis zu scharen.

Ich sitze auf dem Vordeck der „Etzel“ und schaue dem Treiben zu, so auch den beiden Dampfschiffen aus dem Hause Escher, Wyss & Cie. Sie sind auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden, wenn der Name verdeckt ist. Optisch leicht zu erkennen ist der Unterschied beim vorderen Hauptmasten: der eine Dampfer hat ein Kreuz, der andere nicht. Nur: wie bei Luv und Lee, Steuerbord und Backbord, konkav und konvex...: welches Schiff hat nun das Kreuz und welches nicht? Die Eselsleiter basiert auf einer wahren Geschichte: Zürich ist reformiert (diese Kirchen haben kein Kreuz auf dem Turm), Rapperswil im Kanton St Gallen ist hingegen katholisch, also mit Kreuz...

Um halb sechs begann dann eine Flugshow mit der Lockheed L-1049 Super Constellation und sechs PC-7. Während fast einer halben Stunde gab es in der gleissenden Abendsonne ein Spektakel zu Luft und für mich auch zu Wasser, weil ein spürbarer Nordwind immer wieder kleinere Manöver der Schiffe nötig machte. Kapitän Ernst Bosshard führte zusammen mit dem Obmann der privaten Fahrgastschifffahrt und dem Kommandanten des PC-7-Teams auf der „Stadt Rapperswil“ die Regie und bereitete den Anlass minutiös vor. Er zieht wie alle Anwesenden eine positive Bilanz: „Den Anlass habe ich als sehr spannend miterlebt – er war ein Höhepunkt für die ZSG. Die Zusammenarbeit und die freundschaftlichen Beziehungen zu den anderen Seebenützern wie zur Seepolizei Oberrieden, Wasserschutzpolizei Zürich, zu den Seerettungsdiensten und privaten Fahrgastschiffen, PC-7-Team, Super Constellation-Flyers, dem Wasserflugzeug, dem Oldtimer Boot Club Zürichsee, Feuerwehr Erlenbach, Springbrunnen Richterswil und das Ballett der Fähre Horgen - Meilen AG waren ein tolles Erlebnis. Auch das Hafenfest in Rapperswil mit den vielen Oldtimer-Booten und die offene Dampfschifftüre waren für alle Beteiligten und den vielen Besuchenden ein voller Erfolg. Ich habe nur positive Echos erhalten.“

Die Super-Constellation überfliegt die Jubilarin Stadt Rapperswil. Abendstimmung vor der Halbinsel Au mit den beiden Schmuckstücken der ZSG-Flotte. Das Zuschauerschiff Helvetia feierte 50 Jahre. Unter den 11 privaten Fahrgastschiffen waren auch zwei ehemaliger Schiffe aus dem Zugerland mit von der Partie: links MS Riviera ex-Ttan II (1980 – 1983 auf dem Zugersee) und rechts MS Seestern ex-Victory (1994 - 2002 auf dem Ägerisee). Am Tag der Offenen Dampfschiff-Tür wurde auch das neue Zürichsee-Flottenbuch von R. Knöpfel und K. Hunziker (Foto) vorgestellt. Bild im Textteil: Archiv B. Zumstein, Text und übrige Bilder H. Amstad

*) Nebst den drei ZSG-Schiffen mit dabei waren: Stäfa, Ufenau, Wadin, Obersee, Etzel, Seestern, Horgen, Mönchhof, Riviera, Sentosa und Gambrinus.

 

 

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