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Sonntag, 10 August 2014 19:07

Im Verkehrshaus entdeckt: Schifffahrtsnation Schweiz

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In diesem Sommer lohnt sich ein Besuch im Verkehrshaus der Schweiz für Schiffs-Liebhaber besonders. Bis zum 19. Oktober ergänzt die Sonderausstellung „Segelnation Schweiz“ die übrigen nautischen Sehenswürdigkeiten. Gleich nach der Schranke glitzert mir im grosszügigen Innenhof eine Wasseroberfläche entgegen. Ein Katamaran segelt an uns Besuchenden vorbei. Der künstliche See entspricht sieben Tennisplatz-Flächen; es gibt Segelkurse für Kids und Segelwettbewerbe. Ventilatoren am Rande sorgen für den nötigen Wind.

Im Hintergrund bietet die inszenierte „Alinghi“ einen imposanten Anblick. Mit ihren 35 Metern Höhe überragt sie die dahinter stehende Autohalle um das Doppelte. Ein Gerüst macht’s möglich, aus schwindelerregender Höhe die „Alinghi“ von allen Seiten zu betrachten. Dieses Rennboot schrieb Segelgeschichte: 2007 gelang dem Genfer Ernesto Bertarelli und seiner Crew als erstem nicht-amerikanischem Team, den America’s Cup zu verteidigen. Damit gehört die Schweiz zu einem exklusiven Kreis von erfolgreichen Segelnationen. Der Chefdesigner der “Alinghi“ ist Rolf Vrolijk, der mit seinem Team Judel/Vrolijk auch das SGV-Schiff Saphir konstruierte und das erste Dreideckschiff des Vierwaldstättersees plante. Letzteres kam am 25. Juli 2014 in der SGV-Werfthalle auf Kiel und wird 2017 in Betrieb genommen.

Vom Gerüst aus schweift mein Blick auf das in London erbaute DS Rigi hinüber. Zwiespältige Gefühle kommen hier auf: zum einen ist es ein Exponat von Weltformat als ältester Gattdeck-Seitenraddampfer, zum andern eine Baustelle ohne Ende. Im Hochwasser von 2005 schien die „Rigi“ von alleine wieder zu schwimmen. Leider füllte sich aber der ganze Rumpf mit Wasser, und es bildeten sich in der Folge gesundheitsschädigende Schimmelpilze. In der Folge musste der ganze Salonaufbau, der 1959 für das Verkehrshaus-Restaurant neu aufgebaut wurde, abgerissen werden. Nachdem für die restauratorischen Sicherstellungsarbeiten auch die Maschine, das Schaufelrad und der Dampfkessel ausgebaut wurden, präsentierte sich der Rumpf wie ein Gerippe eines Schiffswracks. Dank einer Spendenaktion und mit den Geldern der Versicherung konnte DS Rigi in seiner Grundsubstanz wieder aufgebaut und gerettet werden. Diese Arbeiten stellten sich später als unfachmännisch heraus, sodass das auf Stelzen schön präsentierte Schiff für die Besuchenden wieder geschlossen werden musste. Um nun einen historisch korrekten Rückbau finanzieren zu können, bedarf es beachtlicher Anstrengungen. Die Absichten sind aber ermutigend: So soll das zweite Schaufelrad und die beiden Unterdecksalons rekonstruiert werden, die Wiederinbetriebnahme der Maschine mittels Druckluft ist ebenfalls geplant. Die drei Partner des Projektes, die Dampferfreunde, die SGV und das Verkehrshaus der Schweiz, engagieren sich dafür, dass der 1848 erbaute Dampfer im Bauzustand von 1870 im Jahr 2018 wieder zugänglich wird – eine Herkulesaufgabe.

Freude bereitet mir das didaktisch schön präparierte Dampfschiff Pilatus, obschon ich dieses Kleinod gerne fahrend erleben würde. Ich erinnere mich noch gut an die letzten Fahrten 1966. Oder an den mit Hoffnung geknüpften Verkauf des Dampfers an Paul Niederberger im Jahr 1971. Oder an die Aufregung, als ein Werftarbeiter 1973 den Kessel aufheizte, nach dem Schiff schon jahrelang aussen an der Werftbrücke 7 stand. 1975 wurde es dann in die Harissenbucht bei Stansstad verlegt. 1978 schenkte Niederberger das Schiff dem Verkehrshaus, der Bug und das Steuerhaus kam nach Vitznau für die Zierde eines Restaurants, 1980 der Salon ins MS Baslerdybli, Maschine, ein Schaufelrad und der Kessel in die 1985 erbaute Schiffbauhalle des VHS, das zweite Schaufelrad als Kunstwerk an die Werftstrasse in Luzern, eine Schiffsbank dritter Klasse und ein Bullauge via Fritz Lebert in unsere Küche. Der Rest wurde verschrottet. Was im realen Dampfschiff dem Fahrgast verborgen bleibt wird nun in der Schifffahrtshalle als Aufriss sichtbar gemacht mit der Kraft-Übertragung der heute elektrisch angetriebenen Maschine auf die Schaufelräder.

Ein weiteres Schmuckstück ist eine konkrete Erinnerung an die Expo64 von Lausanne mit dem Unterwasserboot Mésoscaphe Auguste Piccard. Nach über 1100 Tauchfahrten mit 33 000 Fahrgästen wurde es 1965 als Forschungsschiff nach Kanada verkauft. Sein letzter Einsatz war 1982, als es bei den Rosario-Inseln auf Schatzsuche ging und dabei die im Jahr 1708 gesunkene Galeone San José mit ihrem tonnenweise schweren Schatz an Gold, Silber und Edelsteinen von unschätzbaren Wert ortete. Martin Büttikofer, CEO des Verkehrshauses: „Was damals der Star der Landesausstellung war, macht heute als rostiges Wrack eher den Eindruck eines gestrandeten Wals. Noch in diesem Jahr aber werden die rund drei Millionen Franken teuren Renovationsarbeiten abgeschlossen sein, just im 50. Jahr nach seiner Inbetriebnahme.“

Da fehlt eigentlich nur noch ein richtiges Tragflügelboot, zumal die Entwicklung und Produktion dieser hoch interessanten Technologie eng mit Luzern und der Waser-Werft in Stansstad verbunden ist. Zwar hat es im Verkehrshaus zwei Vitrinen zu diesem Thema mit lokalen Wurzeln und internationaler Ausstrahlung. Aber ein echtes Tragflügelboot könnte die bereits interessante Sammlung von Exponaten bedeutend aufwerten, am liebsten als fahrendes Museumsstück ab der Landungsbrücke Verkehrshaus...

Hochsee-Feeling in Luzern, im Hintergrund die „Alinghi SUI 100“, das Originalboot des Amerca’s Cup 2007. Trotz Dampf (-Eisenbahn) wird die „Rigi“ wird nicht mehr dampfen; das Heck ist eingeschalt und abgebaut, eine Eröffnung ist nicht vor 2018 zu erwarten. 50 Jahre Mésoscaphe Auguste Piccard, im Wettlauf des Zerfallprozesses schafft hier das VHS die Wende noch in diesem Jahr. Imposante Präsentation der Maschinenanlage von DS Pilatus (1893) in der Schifffahrtshalle. Es gibt noch weitere Trouvaillen rund ums Thema Schifffahrtsnation Schweiz. Z.B. das Schaufelrad von DS Général Dufour vom Lac Léman (Bild), MS Thalwil vom Zürichsee als Kinderschiff oder ein noch funktionierender Zweitakt-Schiffsdiesel Sulzer von 1929. Selbst in der Sonderschau Schokolade kommen Schiffe vor, wie hier vom Lac de Neuchâtel. Text und Bilder H. Amstad

Weiter im Text:

- MS Baslerdybli link

- Video über den Mésoscaphe Link

- Video Schifffahrtshalle VHS Link

Nachtrag 30.09.14

 

 

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