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Sonntag, 07 September 2014 18:44

Herbst 2014: genussreiche Kursspezialitäten auf dem Vierwaldstättersee

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Auch der Herbst 2014 bietet den Genuss der wärmenden Sonne, bevor der Nebel und die Kälte hereinbrechen. Es ist auch die Zeit der Kursspezialitäten auf jenen Seen, wo mehrere Schiffe im Einsatz stehen. Ich habe mir auf dem Vierwaldstättersee zwei solcher Fahrten ausgesucht. Dank der stets aktualisierten Fahrordnung auf dem Internet* ist es möglich, exklusive Fahrten im Voraus zu planen. Am Freitag, 5. September war die "Cirrus" für den Hermitage-Kurs eingeteilt, der seit Inbetriebnahme des Saphir-Angebotes neu "Spazier- und Stadtschiff" heisst. Normalerweise dreht die "Rütli" oder die "Titlis" die Luzerner Seebucht-Runden, doch beide waren heute verchartert respektive standen im Einsatz für die Luzerner Museumsnacht. Vor zwei Jahren wäre das die Chance der "Reuss" gewesen. Doch dieses Schiff ist nach der Inbetriebnahme der "Saphir" Ende 2012 ausrangiert worden und wartete lange Zeit auf einen Käufer. Samih Sawiris, seines Zeichens Investor des Tourismusprojektes Andermatt Swiss Alps, kaufte es im letzten Winter. "Das Schiff gehört zum kulturellen Erbe der Vierwaldstättersee-Region. Deshalb möchte ich es erhalten", erklärte Sawiris damals in der Lokalpresse. Shiptec baute das 1926 erbaute Sachsenberg-Schiff nach den Wünschen des neuen Eigners in ein Wohnschiff (mit Sauna) um. Seit einigen Wochen ist die „Reuss“ auf dem See wieder unterwegs, ihr Heimathafen ist Flüelen.

Der Katamaran Cirrus war nun als Stadtschiff eingeteilt. Mir gefiel die Fahrt ausserordentlich gut. Auch Schiffführer Anton Muff und Andreas Brügger genossen die Kursspezialität. Muff: "Mein Schiff war schon auf allen drei Hauptlinien unterwegs, heute aber zum ersten Mal auf dem Hermitagekurs." Er schwärmt von seinem Schiff und freut sich, dass es nun im September vermehrt in den Kurseinsatz kommt, nach dem es in der bisherigen Saison vor allem als Reserve- und Extrafahrtenschiff auf dem Plan stand. Solche Sondereinsätze waren auch der Grund, dass die flexible Innenraum-Gestaltung auf unserer Kursfahrt zur Wirkung gelangte. Die Wand zur 1. Klasse war "verstaut" in diskreten Seitenelementen und zusammen mit der Öffnung der Glasrückwand präsentierte sich der Salon somit als ausserordentlich grosszügiges Schiff. Mit den festlich gekleideten Besucherinnen und Besucher des Lucerne Festivals, die an der Station des Hotels Hermitage einstiegen, ergab dies eine spezielle Atmosphäre auf dem Kursschiff.

Einen Tag später war die "Gallia" auf dem Flüelenerkurs 23-32 eingeteilt - eine einmalige Rarität mindestens der letzten Jahre. Vor 10 Jahren kam das ab und zu vor, dass der ehemalige Kurs 19-32 ein Dampfer ausführte (Luzern ab 14.20, an 20.40), wenn die grossen Motorschiffe für Extrafahrten gechartert waren. Ab Luzern hatte die "Gallia" eine hübsche Frequenz von über 400 Fahrgästen. Sonne und angenehme Wärme trugen ebenso zur guten Stimmung bei wie die Speisekarte mit genügendem Servicepersonal. Auch für Gallia-Kapitän Hans Wipfli und für seine Crew war dieser Einsatz auch etwas Gefreutes - Schiffskreuzungen wurden schön zelebriert, speziell jene mit der „Schwyz“ vor Treib, wo das Motorschiff mit kleiner Tourenzahl der "Gallia" die Referenz erwies. Erstaunlicherweise waren sehr wenig Luzerner Dampferfreunde an Bord, zumal an diesem Tag ihr Vereinsausflug mit der "Neuchâtel" abgesagt werden musste. Der gleiche Kesseltyp wie auf der "Unterwalden" machte auch auf dem Neuenburger Dampfer Probleme und sorgte für ein "Aus" mitten in der lukrativen Spätsommersaison. Der Kommunikationsverantwortliche von Trivapor, Guy Quenot, meint zur Aussicht eines Comebacks des beliebten Jura-Dampfers: „Seit drei Wochen liegt das Schiff im Hafen von Neuchâtel und wartet auf eine Reparation des Dampfkessels. Wir wissen noch nicht, wie lange Shiptec benötigt, um das Schiff wieder fahren zu lassen.“ Will heissen, dass die Saison für den Neuenburger Raddampfer damit frühzeitig zu Ende ging. Umso intensiver genossen die anwesenden Schiffsfreunde die Gallia-Fahrt als Alternative.

MS Cirrus ist als Katamaran ein Einzelstück in der SGV-Flotte. Ich fahre gerne damit, weil es im Bug- und Heck-Aussenbereich für den Nautiker interessante Plätze hat. Leider ist das Schanzkleid im Bugbereich zu hoch geraten, sodass sitzende Fahrgäste nicht auf den See sehen. Ein Lucerne-Festival-Besucher weiss sich aber zu helfen, wie das Bild zeigt – im Hintergrund die Hotelanlage der Hermitage. Es wäre wünschenswert, dass die SGV mit einer neuen Aussenbestuhlung dem Schiff eine entsprechende Qualität geben würde. Auch die 1.-Klass-Sitzgarnituren sind schon seit längerer Zeit nicht mehr an Bord. Die teuren Plätze geniesst der Gast zur Zeit im Aussenbereich stehend. Drittes Bild: Die „Cirrus“ läuft Tribschen an, wo das Richard-Wagner-Museum bequem zu erreichen ist (im Hintergrund sichtbar).

Unter den Dampfschiffen ist auch die „Gallia“ mit ihrer kraftvollen Maschine und dem schnörkellosen Neo-Empire-Salon ein Einzelstück. In diesem Jahr lockte eine Fotoausstellung zahlreiche Besuchende in die Kajüte, auf dem Bild eine Postkarten-Collage des Fotografen im 2. Klass-Salon mit Blick zum Bug**. Begegnung zweier schönen Schiffe vor Treib auf dem Spätkurs 23. Im abendlichen Urnersee beglückt uns die Sonne im Geländeeinschnitt des Isenthals an der gleichnamigen Station – Herbst liegt in der Luft! Text und Bilder H. Amstad

*) Fahrordnung SGV Link („Fahrordnung aller Schiffe“ anklicken)

**) Auch auf DS Schiller zeigte ein Fotograf besondere Werke seines Schaffens: André Emmenegger (Werke bei der Schiffs-Agentur zu kaufen: Link1 Link2).

 

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