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Sonntag, 21 September 2014 16:39

Auf Aare und Bielersee: Solothurn bis Erlach mit drei Schiffen

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Der letzte Aare-Schiffskurs des Tages legt in Solothurn um 15.10 Uhr ab. Das Schiff Stadt Solothurn grüsst jeweils im Frühling und Herbst seine namensgebende Barockstadt regelmässig, während im Hochsommer die „Siesta“ häufig diesen Kurs fährt. Damit kann die BSG in frequenzärmeren Zeiten einen Mann einsparen, denn die „Siesta“ ist im Gegensatz zu den zwei andern ein Dreimann-Schiff. Auf der über lange Strecken naturnahen Aareschifffahrt ist der Zivilisationsdruck immer wieder sicht- und spürbar: zwischen Baumlücken sind Fabrik- und Wohnhäuser in der Nähe und Ferne zu erblicken. Bootsstege ermöglichen es Privaten, auf der Aare und den drei Juraseen ihre Freizeit zu verbringen. Ich ziehe die BSG vor; meine Freiheit besteht darin, nach der Fahrt auszusteigen und mich um nichts mehr zu kümmern...

Bereits nach der Abfahrt häufen sich über dem Jura gewaltige Gewittertürme, in Fahrtrichtung grüsst der blaue Himmel und backbordseitig am Alpenhorizont erkenne ich Anzeichen von Föhn. Eine perfekte Szenerie, ein Trost für den desolaten Sommer 2014. Die Aare-Schifffahrt blieb an über 30 Tagen eingestellt, weil der Fluss zu viel (Regen-) Wasser führte... Nach der Ankunft in Biel verbringe ich die Übergangsstunde damit, ein Klassenföteli für die ebenfalls hier ausgestiegenen Klassenkameraden von Ingenieuren der ETH Lausanne mit Abschlussjahre 1976 zu „schiessen“ und dann durch den schmucken Hafen zu schlendern. Mit Ausnahme der "Rousseau" (die inzwischen in Solothurn zum Übernachten eingetroffen ist) sind sämtliche Schiffe im Bieler Hafen, nachdem die "Petersinsel" um 18.20 Uhr von der Dreiseenfahrt zurückkehrt ist.

Für meine zweite Abendfahrt besteige ich die "Berna". Die heuer 50-jährige Einheit startet um 19.00 Uhr zu ihrer samstäglichen Fahrt nach Erlach mit den Zwischenhalten in Twann, Ligerz, St. Petersinsel und La Neuveville. Das Schiff ist im Haupt- und Vordersalon sehr gut belegt - es scheint, dass dieses kulinarische Angebot, bei dem sämtliche Fahrausweise (inkl. GA) gültig sind, gut ankommt. Heute sind auch die Aussenplätze attraktiv: die kurzzeitig aktive Regenzone hat sich verzogen, ein Spektakel von Gewitterwolken, blauem Himmel und untergehender Sonne entlocken selbst dem Servicepersonal ein Aah und Ooh. Sébastien Jacobi beschreibt in der jüngsten Dampferzeitungs-Ausgabe, warum die „Berna“ vor 50 Jahren als erste Schiff von der österreichischen Werft in Linz erbaut wurde: „Den Grund dazu lieferte die Mitgliedschaft der Schweiz und Österreichs in der Europäischen Freihandelszone EFTA. Dadurch entfielen die Zollgebühren. Dies ergab einen Vorteil gegenüber der Bodan-Werft.“ Auffallend auch an den folgenden, gelieferten Linzer-Schiffen (heute ÖSWAG) ist die hervorragende Laufruhe.

In Erlach gibt es einen schlanken Anschluss aufs dritte Abendschiff: Die Mannschaft, die aus den zwei Frauen Helena Nydecker und Noemi Steffen besteht, wartet Anschlussreisende wie mich ab. Seit 20 Jahren fährt das 1992 ausrangierte BSG-Passagierschiff Jura mit dem stolzen Jahrgang 1932 als Schul- und Eventschiff ab Heimathafen Erlach. Die fünfte und letzte Jubiläumsabendfahrt steht an: 50 Fahrgäste lauschen auf der Rundfahrt Michaela Paetsch mit ihrem virtuosen Können auf der Geige und Sascha Andric am Akkordeon zu und bestaunen den ausdruckvollen Tanz von Anna Petrig. Vater Petrig ist die Schlüsselfigur des Projektes MS Jura, heute Präsident des Gönnervereins, damals der Initiant, das Schiff von der BSG zu erwerben und umzunutzen.

Das Jubiläum feiert man ausserdem mit einem Buch*. Der Präsident der Genossenschaft MS Jura, Andreas Zahnd: „Das Buch ist als Erinnerung und Dank für all jene gedacht, die es mit körperlichem, geistigem und finanziellem Engagement geschafft haben, dem wunderbaren Schiff MS Jura in all den Jahren eine Handbreit Wasser unter dem Kiel zu bewahren.“ Seit der zweiten Jungfernfahrt im Jahr 1994 waren rund 4 000 Übernachtungsgäste an Bord. In der Fünftagespauschale von 5 200 Franken (für Schulen 3 200) sind jeweils 15 Fahrstunden inkludiert, weitere Stunden kommen mit 300 Franken in Rechnung. Das Schulschiff ist gut ausgebucht, ausser in den Sommerschulferien. Zahnd: „Diese Nische möchten wir noch füllen. Wie wärs – mit Freunden eine Woche auf den drei Seen verbringen und die Natur, die Geschichte, die kulinarischen Angebote der Region oder das gemütliche Beisammensein in Schiff- und Lageratmosphäre geniessen?“

Bilder: Geruhsame Aarefahrt mit Aussicht zum Jura. Blick von MS Berna auf das ebenfalls von ÖSWAG erbaute Aareschiff Stadt Solothurn. Samstägliche Abendfahrt Richtung Erlach. Der goldene Herbst hat einen kleinen Nachteil: um 20 Uhr ist es bereits dunkel: die festbeflaggte „Jura“ ist bereit zur Jubiläumsrundfahrt mit Kulturprogramm. Blick in die Vergangenheit: MS Seeland und MS Jura (rechts) in La Neuville 1932 im Bau. Text und Bilder H. Amstad

Bemerkung: *) Hinweis zum Buch: MS Jura, unpaginiert (64 Seiten) mit über 60 farbigen Abbildungen, exklusiv bei der Schiffs-Agentur erhältlich für CHF 32.-, Auflage 400 Exemplare (Link zum Bestellen).

Weiter im Text: Homepage MS Jura Link mit Video.

Weitere Blogberichte: Winterzauber Aare 23.01.13 (Link), Neubau MS Rousseau 10.06.12 (Link)

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