plus minus gleich
Donnerstag, 15 Dezember 2011 15:50

Attraktiv: der Winterfahrplan auf dem Vierwaldstättersee

Artikel bewerten
(8 Stimmen)

concordia_1

concordia_1

concordia_1

Wer den Winterfahrplan für die Vierwaldstättersee-Schiffe in den Händen hat, kommt ins Schwärmen: wann gab es so ein Angebot im Winter das letzte Mal? Christoph Näpflin, Präsident des Verbandes Transportunternehmungen Zentralschweiz tuz (und Betriebschef der Treib-Seelisberg-Bahn) hat es recherchiert: „Natürlich gab es in den Zwischenkriegsjahren Verbindungen von Luzern nach Flüelen und zurück. Im Winter waren dies aber vor allem Fahrten von Flüelen nach Luzern, teils nur an gewissen (Markt-) Wochentagen. Die Fahrten galten dann vor allem für Warentransporte und den Bedarfsverkehr der Seebevölkerung. So verkehrte ein kleines Schiff (MS Reuss) zwischen Flüelen - Isleten (Sprengstofffabrik) - Bauen (keine Strassenanbindung) - Flüelen und einmal am Tag nach Brunnen bzw. eine gewisse Zeit sogar bis Beckenried und wieder zurück. Insofern sind diese heutigen touristischen Fahrten mit Gastronomie an Bord im Taktfahrplan wirklich eine Rarität.“

Ich erinnere mich daran, als selbst in den Achziger-Jahren die „Brisen“ oder „Mythen“ den ehemaligen Kurs 9 (Luzern ab 9.20 Uhr nach Beckenried, heute K 7 Zmorgeschiff) und Kurs 15 (Luzern ab 12.07 Uhr nach Vitznau, heute Zmittagschiff) den ganzen Winter ausführten. Für die „langen“ Fahrten bis nach Brunnen kamen im Wechsel die Einheiten Rigi, Waldstätter (II) und Titlis in den Einsatz, die jeweils auch Güter transportierten. Der Lokalverkehr Brunnen, Treib mit Übernachten in Beckenried besorgte MS Rütli oder Reuss.

Das erfolgreiche Comeback der inzwischen touristisch motivierten Winterangebote geht auf die vermeintliche Expo-91 zurück: Während die SGV voraus planen musste und 1988 die drei Panoramaschiffe Weggis, Brunnen und Flüelen auf Hinblick auf die geplante Landesausstellung bestellte, entschieden sich die Urschweizer Kantone während der Bauphase an der Urne gegen eine Expo rund um den Vierwaldstättersee.

Trotz dieses aus touristischer Sicht schmerzlichen Verdikts gab es im eidgenössischen Jubiläumsjahr von 1991 (700 Jahre Eidgenossenschaft) drei Gewinner: der Weg der Schweiz wurde eröffnet als vermutlich nachhaltigstes Tourismusprojekt der Neuzeit. Die SGV erzielte in diesem Jahr mit 2,7 Millionen Fahrgästen das beste Ergebnis aller Zeiten und – die Winterschifffahrt erhielt mit dem Einsatz der drei Panoramaschiffe einen Quantensprung. Die im Volksmund genannten drei „Trabis“ boten ein ungeahntes Potenzial, die Winterschifffahrt neu zu definieren. Die Fahrgastzahlen der Winterschiffe stiegen um Faktoren!

Heute scheint eine Winterfahrt auf dem Vierwaldstättersee attraktiver denn je: täglich steuern zwei Salonschiffe mit bedientem Restaurant bis nach Flüelen, an Sonntagen sind es sogar deren drei. Wenn der Erfolg der Schifffahrtsgesellschaft Recht gibt, könnte die für Pendler schmerzliche, morgendliche Vierstunden-Lücke zwischen Weggis und Luzern noch geschlossen werden.

Bilder: MS Waldstätter (III) an der Brücke 1 in Luzern mit Hanspeter Vetter am Aussennock, Begegnung der zwei klassischen Winterschiffe in Beckenried und Abfahrt des Morgenkurses in Brunnen mit MS Titlis. Text und Bilder: H. Amstad

 

 

1 Kommentar

  • Kommentar-Link Pascal Dietrich Mittwoch, 19 September 2012 20:49 gepostet von Pascal Dietrich

    Merci für den Bericht, aber eine kleine Korrektur: Die SGV beförderte 1991 3,3 Mio. Passagiere und nicht 2,7 Mio.

    Melden

Schreibe einen Kommentar