plus minus gleich
Sonntag, 18 Dezember 2011 20:24

Zugersee-Rigi auf Havariekurs

Artikel bewerten
(13 Stimmen)

concordia_1

concordia_1

concordia_1

Gestern Samstag 17. Dezember ereignete sich in Arth ein Havarie. Das Schiff Rigi fuhr ungebremst in die Hafenmole in Arth. Dabei wurden viele der 91 Fahrgäste, die auf einer Extrafahrt einen Geburtstag feierten und neun Frauen und Männer der Nautik und Bordgastronomie umgeworfen. Die meisten der fünf Verletzten sind unter den Crew-Mitgliedern zu beklagen, vor allem im Küchenbereich durch herab fliegende Gegenstände. Für Beat Zürcher, Geschäftsführer der Zürcher Kulinaria AG bot sich bei seinem Eintreffen in Arth ein trauriger Anblick: „Dieser abrupte Abbruch einer wunderbaren Feier schneidet einem Gastgeber schwer ins Herz. Überall verteilt die feinen Speisen und Getränke sowie der desolate Zustand in Küche und Econement vergisst man nicht so schnell“

Das Schiff Rigi kommt somit seine Pechsträhne nicht los: Zuerst ging während des Umbaues im Winterhalbjahr 2011 die beauftragte Bodanwerft in Konkurs, danach hatte das Schiff kleinere Pannen zu verzeichnen, so dass es im Sommer jeweils für kurze Zeit „in den Ausstand“ trat. Inwiefern der Crash in Arth damit etwas zu tun haben könnte, wird nun vom Bundesamt für Verkehr am kommenden Dienstag abgeklärt. Auch die Kantons- und Seepolizei von Schwyz sind mit den Ermittlungen beschäftigt.

Beeindruckt hat mich nebst der souveränen Art und Weise, wie das Personal mit dem Vorfall umgegangen ist, das Tempo der Medien: bereits nach 90 Minuten hatte der Bote der Urschweiz 10 Fotos auf dem Web, etwas nach 18.00 Uhr war die Meldung auf den Homepages vom Tages-Anzeiger, der Basler Zeitung und Neue Luzerner Nachrichten, bevor die letzten Verletzten verarztet waren und die geschockten Geburtstagsgäste nach einem Aufenthalt im Zuger Hafenrestaurant den Heimweg antraten. Zwei Stunden später erschienen die ersten Artikel in der französisch sprechenden Schweiz. Internetforen waren noch vor Mitternacht verlinkt mit dutzenden von Meldungen. Mein Blog-Eintrag, 24 Stunden nach dem Unfall, erscheint somit wie die alte Fasnacht – doch ist es mir wohler so. Die Sensationsgier, praktisch zeitgleich das Geschehen zu rapportieren, empfinde ich als unanständig gegenüber den Betroffenen.

Bilder: Für einige Tage ist der neue Übernachtungshafen für die „Rigi“ Arth; das Medieninteresse war grösser als der sichtbare Schaden; erst einige Stunden zuvor fegte der Sturm Joachim über den Zugersee, da war die Bugpartie der „Rigi“ (links im Bild) noch ganz. Text und Bilder H. Amstad

 

 

Schreibe einen Kommentar