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Sonntag, 22 Januar 2012 19:52

Charlotte - ältestes Dampfschiff der Schweiz

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Nennt sich das älteste Dampfschiff der Schweiz deshalb so, weil die Besitzerin Charlotte heisst? Auf den ersten Blick scheint das plausibel zu sein. Doch Charlotte Kunz Bolt winkt ab: „Erst seit das Schiff in der Schweiz ist, also ab 1895 wurde es auf ‚Charlotte’ getauft.“ Sie konnte mit Kurt Bolt zusammen das schwimmende Juwel im Jahr 2001 erwerben, also ganze 106 Jahre später.

Ursprünglich fuhr die Dampfyacht vermutlich auf der Themse, wahrscheinlich schon vor 1880. So genau weiss man es nicht, aber ein Typenschild, welches wohl anlässlich einer Kesselrevision angebracht wurde, zeigt das Jahr 1880. Fest steht, dass die Schiffsbaufirma Escher Wyss das Schiff aus Gründen eines „Technologietransfers“ 1895 auf den Zürichsee holte. Es gibt Hinweise, dass das Schiff zuvor noch auf der Seine gefahren ist. Hier lässt sich die Umbenennung in ‚Charlotte’ gut belegen: das Dampferchen trug fortan den Vornamen der Ehefrau des damaligen Betriebsleiters von Escher Wyss, Gustav Naville. Interessant ist der Kessel: Anstatt Kohle oder Holz wird schon 1880 Leuchtpetrol verfeuert, um in den 82 nur 0,8 mm dünnwandigen Rohren, die 15 atü Druck für rund 100 kg Dampf pro Stunde zu erzeugen. Doch gibt es Petrol heute noch zu kaufen? Charlotte Kunz: „Kein Problem! Auf fast jedem Flugplatz gibt es Kerosin (Jet A1), das die gleichen Eigenschaften hat. Die Einkaufsmenge entspricht allerdings nicht einem Flugzeug, was beim Einkaufen jeweils Verwunderung auslöst.“ Der Verbrauch beträgt nämlich nur etwa 10 Liter pro Fahrstunde.

Ab 1895 hat Escher Wyss Kessel und Maschinen ihrer eigenen Dampfboote anhand des Vorbildes „Charlotte“ weiterentwickelt und begann dann mit der Produktion neuer Schiffe mit Leistungen bis zu 100 PS, weil mit der früher üblichen Naphta-Technik (Kessel mit Rohbenzin, anstatt Wasser) höchstens 6 PS Leistung erreicht wurden. In den 1930-er Jahren der Weltwirtschaftskrise kam das abrupte Ende dieser Boote, welche dann durch pflegeleichtere und stärkere Motorboote abgelöst wurden. Heute stellt die „Charlotte“ ausser ihrem stolzen Alter mit Schweizer Rekord auch deshalb eine besondere Rarität dar, weil inzwischen alle übrigen Escher-Wyss-Boote verbrannt oder abgewrackt worden sind. Charlotte Kunz Bolt: „Mit dem historischen Anstrich, welchen wir 2009 auf Grund von Farbbefunden rekonstruiert haben, und durch den Neuguss des oberen Dampfsammlers im Kessel möchten wir nun so lange wie möglich, das Dampfboot ‚Charlotte‘ als technisches Denkmal und Privatboot betreiben sowie in die Zukunft hinüberretten.“

Zwei Dampfschiffe unterschiedlicher Grösse, Bauart und Antrieb: DS Stadt Zürich (1909) im Hintergrund und DS Charlotte (vermutlich vor 1880) im Hafen von Pfäffikon/SZ. DS Charlotte um 1900 und anlässlich des Oldtimerboot-Treffens vom 23. Mai 2014. Bilder 1 und 2: Charlotte Kunz Bolt, Bild 3 H. Amstad, Text: H. Amstad, K. Bolt und Ch. Kunz Bolt

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