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Die politische Ära von Silvio Berlusconi ist vorbei; lange herrschte bei mir Unverständnis vor, wie es möglich war, Italien und Europa einen solchen Ministerpräsidenten zuzumuten. Aber wie das so ist: viele profitierten von seinen Machenschaften. „Teile und herrsche“ kannten schon Andere im Römischen Reich, wie das Cäsar nachgesagt wird: „Divide et impera“. Jetzt, wo der streitbare Politiker weg ist und Mario Monti versucht, den Staat Italien auf finanziellen Kurs zu bringen, jetzt bekommt man den Eindruck, dass die Fahrgastschiffe unter den Profiteuren waren. Subventionen flossen offenbar in grösseren Mengen. Es gab zwar schon zu Berlusconis Zeiten Kürzungen. Monti hat nun aber bei der Schifffahrt zum Kahlschlag angesetzt und die Staatsbeiträge um 45% gestrichen. Und prompt reagierten diverse Seen mit einem sofortigen Leistungsabbau, wie nachfolgende Internet-Mitteilungen an die Fahrgäste zeigen:
Die Mitarbeitenden der Schifffahrtsgesellschaften wehren sich nun gegen Stellenkürzungen und eine Reduzierung des Fahrplans. Während auf italienischer Seite am Montag für vier Stunden gestreikt wurde, veranstalteten die Schweizer Crew in Locarno eine Kundgebung.
Dazu kommt, dass in Sachen Dampf im kommenden Sommer nicht viel läuft in Oberitalien. DS Concordia bekommt eine neue Dampfkesselanlage und fährt nicht. Mario Gavazzi, der Kenner der oberitalienischen Szene meint dazu: „Die Abklärungen für den Umbau sind am Laufen und sie stehen natürlich unter dem Eindruck der Finanzkrise, die auch bei den staatlichen Schifffahrtsbetrieben Italiens zu drastischen Sparmassnahmen geführt hat. Doch bei meinem Besuch Ende Februar in der Werft Tavernola bei Como konnte ich mich vom Willen der Mitarbeitenden der Navigazione überzeugen, diese Revision zu verwirklichen.“ Trotz dieser optimistischen Betrachtungsweise räumt Gavazzi ein: „Dieser Sparakt aber ist eine fürchterliche Situation gerade in der heutigen Zeit, wo Staatsbetriebe ja ihre Leistungen möglichst breit ‚verkaufen‘ müssten.“ Hingegen sehen die Umbauten am Dampfschiff „Patria“ ganz ordentlich aus. Bei meinem Besuch auf dem Comersee im letzten Herbst wurde mir gesagt, dass die Maschine in Betrieb genommen werden könnte. Und die Aufbauen sahen bereits frisch gestrichen aus. Doch über Termine und Einsatzmöglichkeiten konnten weder Insider noch Direktion etwas mitteilen. So bleibt für den Sommer 2012 die einzige Dampfschiff-Hoffnung auf dem Lago Maggiore. Vielleicht fährt die "Piemonte" wenigstens ein Mal in diesem Sommer? Fotos: Die Patria wird wieder fahren, die Frage ist nur, wann? MS Volta wurde einer Totalrevision unterzogen und steht im 2012 wieder im Einsatz (Fotos H. Amstad). Die "Piemonte" ist das einzige fahrbare Dampfschiff in Italien im Sommer 2012 (Langensee); Text: H. Amstad |
Dienstag, 13 März 2012 20:26
Sparkurs auf den Seen Italiens mit welchen Folgen?
1 Kommentar
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Dienstag, 16 April 2013 06:50
gepostet von Eduard J. Belser
Leider ist es vielleicht schön bald wieder soweit, dass Bunga-Bunga-Silvio wieder als politischer Kapitän Schettino auf der Kommandobrücke Italiens steht. Die EU sollte Italien unter Zwangsverwaltung stellen, wenn sich die ItalienerInnen diese Affront an ganz Europa leisten und Bunga-Bunga-Silvio nochmals wählen.
Die Schifffahrt auf den Oberitalienischen Seen hätte ein grosses touristisches und wirtschaftliches Potential, dass aber mit einem Leistungsabbau abgewürgt wird. Sparen um jeden Preis ist die falsche Strategie!












