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Innert bloss acht Tagen gab es zwei nautische Leckerbissen zu erleben. Nach dem Zürichsee öffnete heute auch die Werft in Thun ihre Tore für die Öffentlichkeit. Es gibt Parallelen: war dort das Dampfschiff Stadt Zürich als Publikumsmagnet in der Schiffsbauhalle trocken gelegt, war hier DS Blüemlisalp aufgezogen in der Werft Dürrenast, die rund 3 500 Besucherinnen und Besucher anlockte. An beiden Anlässen sorgte strahlender Sonnenschein für gute Stimmung. Ein Werbebanner der „Shiptec Lucerne“ zeigte an beiden Orten, dass die Luzerner Werft mit ihrem Know-How gefragte Partner ist. Nur die Anfahrt per Schiff zum Festgelände war in Zürich besser gelöst; ich vermisste ein Abholschiff beim Bahnhof Thun. Eine solche öV-freundliche PR-Aktion hätte dem gediegen organisierten Anlass das „Tüpfchen aufs i“ gesetzt. Der unübersehbare Blickfang „Spiezerli“ (MS Spiez) empfängt mich auf dem Rundgang als erstes. Wie ein Denkmal auf dem hohem Sockel löst das 111-jährige Schiff Neugierde aus: „Wird es wieder ein Dampfer?“ ist eine häufig gehörte Frage. Ich leite sie Rolf Lemberg weiter, dem Architekten und Fachbegleiter der Dampferfreunde. „Nein, es wird mit Diesel angetrieben werden. Es geht in erster Linie darum, das einmalige Schiff zu retten. Wir verbauen uns nichts, wenn spätere Generationen einen Dampfer daraus machen. Ohne heutige Rettung aber wäre das nicht möglich.“ An diesem Tag wurde dafür fleissig gesammelt, hier das Spendenkonto: PC 30-538142-1. Die „Blüemlisalp“ wird für viele Jahre wieder flott gemacht: Schalenrevision, neuer Farbaufbau, Verlegen von neuen Decks. Strukturell erfährt das Schiff keine Veränderung, nach dem im Jahr 2006 viele Optimierungen besonders im Gastrobereich realisiert wurden. Einzig der steilere Winkel des Heckmastens wird optisch für Kenner sichtbar sein, dass die „Blüemlere“ im Jahr 2012 in der Werft war. Beeindruckt hat mich ausser der „Baustelle Blüemlisalp“ die Atmosphäre der gesamten Werftanlage: Strukturen aus dem Jahr 1905 prallen mit der Technik und den Anforderungen des 21. Jahrhunderts zusammen. Das Ende des Bauwerkes ist absehbar, ein Neubau ist in Diskussion. Im Stundentakt verlässt die „Schilthorn“ das Festgelände für eine Rundfahrt. Ich muss gestehen, dass ich das erste Mal an Bord des schmucken 300-Plätzers war, obschon es mittlerweilen bereits 10 Jahre alt ist. Raffinierte Raumaufteilungen, helles Holz und viel Transparenz überzeugen auf den ersten Blick. Warum ist es nicht im Kursverkehr eingesetzt? „Es ist ein Eventschiff und auschliesslich im Extrafahrtenbereich viel unterwegs“, weiss die Buffetdame zu berichten und bestätigt, was ich zuvor von verschiedenen Stellen bereits auf dem Rundgang vernommen habe: „Im kommenden Winter fährt es täglich auf dem Kurs 13-14!“ Diese freudige Überraschung rundet den schönen Besuch in Thun ab. Blick auf die „Beatus“, „Blüemlere“ (in der Halle), „Niesen“ (Werkstattschiff) und „Spiez (an Land); die hohe Lage des Slipschlittens ermöglicht eine ungewöhnliche Sicht auf die Schaufelräder der „Blüemlisalp“; Die „Spiez“ wartet auf die Renovation, aufgedockt im Werftgelände Dürrenast. Fotos und Text: H. Amstad |
Samstag, 31 März 2012 20:17










