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Samstag, 05 Mai 2012 20:32

MS Saphir - Edelstein und Schmuckstück auf dem Vierwaldstättersee

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Der Name Saphir hat Hochkonjunktur, innerhalb bloss einer Woche verfolgt mich das Wort täglich: die deutsche Post gibt eine neue Sondermarke heraus mit diesem Edelstein in Bild und Wort, die Zeitung Zentralschweiz am Sonntag veröffentlicht ihr Prestigemagazin „für das Schöne und das Gute“ unter dem Label Saphir, der Seeclub Zug tauft einen neuen Achter auf diesen Namen und die SGV gibt der neuen Panorama-Yacht denselben Namen. Saphir ist die Edelsteinqualität des Korunds, ist unter anderem säureunlöslich und schmilzt erst bei einer Temperatur von 2040 °C, was dem Stein nebst seiner blauen Ästhetik eine bedeutende wirtschaftliche Rolle zukommt. Neben seiner Verwendung als Schmuckstein wurde der Saphir in Schallplattenspielern als Spitze der Tonabnehmernadel verwendet. Wegen seiner hohen Härte und Abriebsfestigkeit kommt der Saphir als Führung für Schneidemaschinen in den Einsatz. Unter Beimischung von Titan sind Saphire auch ein wichtiger Bestandteil zur Laserherstellung. Und die Raumfahrt kommt ohne diesen Edelstein nicht mehr aus.

Wer sein Schiff so tauft, ist geleitet von Marketingüberlegungen. Schiffsnamen wie Winkelried und Wilhelm Tell sind ebenso Ausdruck eines Zeitgeistes wie die wenig phantasievollen Bezeichnungen der drei Panoramaschiffe anfangs der 90-iger-Jahre. Mit MS Cirrus hat man im Jahr 2009 den aktuellen Zeitgeist getroffen; so wird der nächste Neubau als Ersatz der „Rigi“ kaum mehr „Rigi“ heissen. Saphir steht für „edel“, „herausragend“, „nobel“. Stimmt das auch?

Ich fahre heute am 5. Mai auf der letzten Runde der öffentlichen Rundfahrten mit. Das spannende Wetter mit Regenguss und gleissender Sonne in Folge zaubert einen speziellen Hintergrund zur „Saphir“. Mir gefällt das Hauptdeck ausserordentlich gut: das auf 49 Meter Länge durchgezogene, eher dunkle Holzdeck wirkt ruhig, schiffig und strahlt Wärme aus, sodass die moderne Innenmöblierung prägnant zur Wirkung kommt. Mit dem grosszügigen Vordeck und den in Nischen eingesetzten Sitzbänken, mit dem offenen Eingangsbereich, der an alte Dampfer und Motorschiffe der ersten Stunde erinnert, mit dem lichtdurchfluteten Salon und ganz hinten mit der Wasser-Terrasse jagt ein optischer Höhepunkt den andern. Für mich wäre hier die 1. Klasse anzusiedeln, wenn es eine gäbe... Denn das Oberdeck bietet nicht mehr dieses „Feuerwerk“: Vorne am Stehtisch blicke ich aufs Dach des Steuerhauses und hinten auf jenes des Salons – Wasser- und Seeerlebnisse rücken in die Ferne. Und das offene Cabrio-Feeling kommt erst dann zur Geltung, wenn auch die Elemente der Seitenwände ineinandergeschoben werden. Ist das Dach aber geschlossen, lässt die Membran viel Licht in den loungemässig möblierten Raum, was gerade bei schlechtem Wetter sicher ein wichtiger Wohlfühleffekt erzeugen kann.

Für den Entwurf des Erscheinungsbildes wurde das in der Yachtbranche bekannte Design-Büro Judel/Vrolijk aus Hamburg beauftragt. Die Reaktionen der Fahrgäste tönen ganz anders als bei der „Cirrus“ vor drei Jahren: Liebhaber traditioneller Schifffahrt loben das viele Holz und die edle Yacht-Schale, Fahrgäste mit aktuellem Designeransprüchen sind begeistert von der schnörkellosen, klaren Architektur und Technikinteressierte kommentieren zufrieden den innovativen Elektroantrieb, der viel Diesel spart und eine beispiellose Laufruhe ermöglicht. Zusammenfassend meint Andy Brügger, verantwortlicher Schiffführer der „Saphir“: „Das schönste am Schiff ist, dass ich nur Komplimente bekomme – die Fahrgäste sind sehr zufrieden.“

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Bild oben: Die drei Generatoren produzieren Strom, der zum einen Teil nach hinten geführt wird und dann durch je einem Elektromotor auf beide Schrauben wirkt und zum anderen Teil das Bordnetz mit Strom versorgt (Bild M. Bisegger); Unglaublich aber wahr: 110 Jahre trennen die beiden Schiffe Saphir und Unterwalden – und beide geniessen eine hohe Gunst des Publikums (Bild links oben). Text und übrige Bilder: H. Amstad

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