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Meine ursprünglich geplante Fahrt mit der neu erbauten „Rousseau“ ist ins Wasser gefallen, nicht etwa wegen Schlechtwetter, wie man es bei diesen tristen Vorsommertagen erwarten könnte, sondern weil das erst ein paar Tage alte Schiff bei der Luftansaugung der Motoren einen kräftigen Schluck Wasser erhielt und so kurz nach der Jungfernfahrt ausfiel. Umso mehr freute ich mich, als vor ein paar Tagen die moderne „Rousseau“ zur Aarefahrt bereit war. Beim Start in Biel waren bereits etliche Leute zugestiegen. Ich genoss die Morgensonne auf dem Oberdeck und bestellte einen Kaffee aus der wohl einzigen absenkbaren Kaffeemaschine der Schweizer Kursschifffahrt. Für die Brückendurchfahrt bei Nidau gleich nach dem Bielerseeausfluss der Aare wird nämlich nicht nur das mit Klimaanlage versehene Steuerhaus, sondern auch gleich die Kaffeemaschine abgesenkt. Bei der Schleuse Port in Biel kann eindrücklich mitverfolgt werden, wie das Schiff nach unten geschleust wird, ein Erlebnis, das sonst in der Schweiz nur noch am Rhein zwischen Basel und Rheinfelden oder auf der Rhone in Genf möglich ist. Im Gegensatz zur älteren „Siesta“ (Baujahr 1991) verfügt das Aussendeck des Neubaus über keinen Sonnenschutz, so dass ich mich mit der aufkommenden kräftigen Mittagssonne entschliesse, das Schiff im Innern zu erkunden. Ausgefallen ist das Heckteil des 48 Meter langen Schiffs mit der Küche, welche direkt gegen den Fahrgastraum geöffnet ist. Ausser auf dem Oberdeck hinten bietet das Schiff leider keine Aussenplätze, die Galerie um den vorderen Salon ist mit einem Schild abgesperrt und für Passagiere nicht begehbar. Unter der Holzbrücke von Büren hindurch an der Storchensiedlung Altreu vorbei, erreicht das Kursschiff auf einer abwechslungsreichen Flussfahrt den Kantonshauptort Solothurn, den tiefsten Punkt der BSG-Aareschifffahrt. Die „Rousseau“ fährt in der Regel die Aaresrecke drei Mal täglich, am Morgen abwechselnd in Biel und Solothurn startend. Details über den Einsatz sind auf der Website der BSG (www.bielersee.ch) ersichtlich. Die Gesellschaft feiert übrigens am 22. Juli ihr 125 Jahre Jubiläum mit einigen tollen Angeboten für den Schiffsfreund. Und kurz davor wird der 200. Geburtstag von Jean Jacques Rousseau gefeiert, der dem Schiff den Namen gab. Der Genfer Schriftsteller, Philosophen („retour à la nature“), Naturforscher und Komponisten war wohl der berühmteste Aufklärer und gilt als wichtigsten geistigen Wegbereiter der Französischen Revolution. Er lebte anno 1765 sechs Wochen lang auf der St. Petersinsel, weshalb die Bielerseegegend bis heute touristisch von diesem Namen profitieren kann. Die “Rousseau“ ist bereits das dritte Schiff mit demselben Namen: ein Schraubendampfer fuhr von 1889 bis 1956, ein Motorschiff von 1952 bis 1996 und nun auf dem Bild der Stapellauf der Rousseau III (Foto S. Jacobi); Schleusenfahrt, die absenkbare Kaffeemaschine und die offene Küche im Salon des neuen BSG-Schiffes (Text und übrige Bilder M. Bisegger) |
Sonntag, 10 Juni 2012 21:11











