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Strahlender Sonnenschein, freier Blick bis in die Hochalpenkette, herrliche Stimmung an Bord: Glück begleitete unsere Fahrt mit dem MS Jura vom Bielersee nach Sugiez, um dort den 100. Geburtstag des DS Neuchâtel an Land zu feiern. Vielfältige Wünsche wurden dabei erfüllt. Einige kamen wegen dem Weinseminar an Bord der "Jura", andere wollten erstmalig mit der inzwischen 80-jährigen „Jura“ fahren. Bereits nach dem Ablegen in La Neuveville merkte man, dass alle Reisemotive zu einem vollen Genuss wurden. Wesentlich trug Markus Petrig (u.a. Retter der „Jura“ und seit einigen Jahren Weinbauer) und sein Gehilfe Res Zahnd (Präsident der Genossenschaft MS Jura) zum Erfolg dieser exklusiven Fahrt bei. Petrigs Erklärungen zu den sechs degustierten Weinen waren humorvoll, mit fundiertem Wissen und lockerer Präsentation. Ausserordentlichen Gefallen fanden die Gäste am Riesling x Chasselas, einer gelungenen Kreation der Domaine Chante Merle, wenig säurebetont mit leichtem Muskatgeschmack, ein Liebling nicht nur vieler Frauen... Und auch der Blanc de Noir „fuhr ein“, ein Wein schon lange ausverkauft, wobei Markus Petrig noch drei Flaschen für uns herzaubern konnte („von meiner Frau stibiezt“). Kulinarische Supplements vertieften die Weinerlebnisse: geräucherte Bielersee-Felchen, Walliser Trockenfleisch und ein jurassischer Tête de Moine krönten jeweils die Gaumenfreuden. Nach zwei Stunden Fahrt via Zihl- und dann Broyekanal kamen wir in Sugiez an, wo Ernst Kuster vom Vorstand Trivapor uns durch die imposante Baustelle der „Neuchâtel“ führte. Der Raddampfer erlebte gestern auf den Tag genau vor 100 Jahren in Neuenburg die Jungfernfahrt. Die Baufortschritte sind beachtlich: Kessel und Maschine haben die Shiptec Luzern bereits eingebaut, die Schalenarbeiten sind abgeschlossen. Es sieht so aus, dass der Dampfer im Jahr 2013 wirklich in Fahrt kommen sollte. Doch die dritte Finanzierungsetappe, diejenige der Kantone, könnte noch einen Strich durch die Rechnung machen, dann nämlich, wenn der Kanton Bern auf Druck der BSG seine Zahlung hinauszögern würde. Auf der Führung sind weitere, vorsichtig-kritische Fragen aus unserer Runde zu vernehmen: So scheint unverständlich, dass laut mündlicher Darlegung die Fixhöhe des Schiffes auf 5,2 m angesetzt ist, so dass es bereits bei geringem Hochwasser kein Durchkommen mehr gibt an der Zihl-Eisenbahnbrücke (bei einem mittleren Wasserstand von 429.30 müM. beträgt die Fixhöhe auch 5.20 m). Oder die Unsicherheiten, was den zukünftigen Betrieb anbelangt, weil noch kein Einsatzkonzept vorliegt – Ernst Kuster konnte aber hier beruhigen: “Die Neuenburger (LNM) bilden bereits in diesem Jahr eine Mannschaft aus zum Betreiben des Dampfers“. Wieso nicht die innovative BSG den Zuschlag bekam, hat Kuster so beantwortet: „Die stellten unmögliche Forderungen, hin bis zu Kompensationszahlungen für ihre Motorschiff-Flotte, weil sie befürchten, das Dampfschiff nähme ihnen Fahrgäste weg.“ Bilder: Die „Jura“ fährt nach der Exkursion in La Neuveville ab in Richtung Heimathafen Erlach. Markus Petrig testet den Inhalt jeder Flasche mit allen Sinnen auf seine Qualität. In Sugiez liess die Trivapor eigens für die Wiederherstellung des DS Neuchâtel eine Werfthalle bauen; Teilnehmende der Fachreise besteigen die Besucherestrade. Ernst Kuster erläutert uns den Stand der Arbeiten, in der Mitte erkennt man den oberen Teil des Kessels, rechts davon die Maschinenöffnung, im Hintergrund die Abbildung der Maschine (blau). Text und Bilder H. Amstad R190427 |
Sonntag, 17 Juni 2012 09:17











