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Am 23. Mai 2011 gelang Hans Kaufmann mit seiner Firma für Flussreisen, der Thurgau-Travel, eine nautische Welt-Premiere: erstmals erreichte ein Hotelschiff, die „Johannes Brahms“, vom Westen die russische Exklave Kaliningrad. Und es war seit 2005 auch das erste Schiff, das die polnisch-russische Grenze durchfahren durfte. Dabei war in der Vergangenheit, als die beiden Staaten noch kommunistische Brüder waren, diese Verbindung über das Frische Haff täglich möglich, dank den legendären Raketa-Schiffen. Die politische Beziehung der beiden Staaten und deren Völker sind seit Längeren angespannt, wie auch die Bilder über die Ausschreitungen an der Fussball-EM zeigten. Und als 2005 der Staatsvertrag zwischen Polen und Russland auslief, war an eine Ratifizierung nicht zu denken. Zahlreiche Tragflügelboote liegen nun im polnischen Danzig an Land und die Chance, dass sie je wieder fahren werden erachte ich als gering. Die „Johannes Brahms“ wurde 1998 als „Eurostar“ durch die Werft Peters in Holland erbaut. Besitzer ist bis heute die Conti-Reederei, die mit MS Primadonna (DWE Deggendorf 1998) nebst 108 Frachtschiffen noch ein zweites Flussfahrtschiff besitzt. Ausserdem ist Conti als Finanzierungsinstitut an unzähligen andern Schiffen beteiligt, so unter anderem an der Sächsischen Dampfschifffahrts GmbH in Dresden. Reeder der „Eurostar“ war zuerst die Hapag Lloyd, die mit diesem Schiff in das Flusskreuzfahrtengeschäft eingestiegen ist. Nach fünf Jahren wechselte das Schiff 2003 die Reederei und es hiess bis 2005 „Euro Diamond“. Seit 2006 bereedert das Schiff nun die River Advised Basel. Seit dann heisst es „Johannes Brahms“, weil die Austria River Cruise das Schiff charterte für Fahrten nach... Kaliningrad. Doch dazu kam es nicht. Zusammen mit andern Flusskreuzfahrtschiffen, die in Polen bereits vor Ort waren, wurden sie von den Russen vertröstet, zuerst von Woche zu Woche, dann von Monat zu Monat. Viele Reedereien zogen ihre Schiffe wieder ab, die „Brahms“ harte bis Ende 2007 aus. Vergebens. Die Austria River Cruise ging Konkurs und ab 2008 übernimmt der Thurgauer Hans Kaufmann den Vollcharter. Ausdauer, Leidenschaft, Fleiss - das führt dann vier Jahre später zur russischen Erlaubnis, dass „sein“ Schiff die Grenze passieren darf. Diese Geschichte mutet in dieser globalisierten Welt eigenartig an. Auf unserer Fahrt von Danzig nach Kaliningrad ist diese politische Spannung durchaus zu spüren, die 66 Fahrgäste nehmen es mit Gelassenheit, da wir durch den Reiseleiter Bernhard Remmert professionell informiert und vorbereitet werden. Auf dem Frischen Haff wird die Grenze markiert durch je ein polnisches und russisches Patrouillenboot. Ein Visum ist erforderlich und das Einreiseprozedere dauert lange. Die Zoll- und Grenzformalitäten in Kaliningrad erinnern an meine Dresdner-Dampferreisen in die ehemalige DDR in den Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts: Stempel, Gesichtskontrollen, Fotografierverbot im Hafen. Der Hauch von Abenteuer gibt der landschaftlich einmaligen Schiffspassage eine gewisse Würze (Siehe auch Blog-Beitrag „MS Johannes Brahms: besondere Fahrt von Danzig nach Kaliningrad“) Die bei Schweizer Gästen beliebte „Brams“ ist pro Saison auf drei Routen unterwegs: Von Prag nach Berlin und zurück, von Berlin nach Stralsund vis versa und 15 Mal von Danzig nach Kaliningrad retour. Die Überfahrt von Hamburg nach Danzig übrigens macht die „Brahms“ mit eigener Kraft. Dabei werden die Fenster mit Metallplatten abgedeckt und eine sturmfreie Wetterperiode abgewartet. Nur die nautische Besatzung darf dann auf diese Ostseetraverse. MS Johannes Brahms fährt als 4-Sterne-Schiff der Schweizer Reederei River AdviceLtd unter deutscher Flagge; seit 2005 liegen sie auf dem Trockenen, die Tragflügelboote, die Danzig mit Kaliningrad verbunden haben; mit zwei Kapitänen unterwegs: von der Reederei zeichnet Norbert Rümmler die nautische Verantwortung, zuweilen der polnische Kapitän Jacek Trojanowski (im Hintergrund) ihn ablöst und die politischen Vorgaben erfüllt. Text und Bilder H. Amstad. |
Montag, 09 Juli 2012 18:34
Ein Schweizer Charter ermöglicht eine Schiffsverbindung zwischen Polen und Russland
1 Kommentar
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Montag, 16 Juli 2012 14:12
gepostet von Gerd und Marlène Ambs
Herzlichen Dank für das sehr informative Mail.
Mit besten Grüssen G+M










